1996 kam es zum aufsehenerregenden Prozess. Die Anklage warf ihm 32 gefälschte Dokumentationen vor, von denen ihm 16 nachgewiesen werden konnten. Das Gericht verurteilte Born im Dezember 1996 wegen vollendeten Betrugs in 17 Fällen und versuchten Betrugs in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. 1997 kam er frei, ab 2002 lebte er in Griechenland.
„Ich bin nie in einem Schneideraum gewesen“
Borns damaliger Chef, Günther Jauch, war als Zeuge zum Prozess geladen. Die meisten von Borns TV-Fälschungen liefen bei „stern TV“ und landeten unter der Verantwortung Jauchs im Fernsehen. Als er vernommen wurde, ahnte er schon, dass er „den Kopf dafür hinzuhalten hat“, so schrieb es der Gerichtsreporter Volker Lilienthal damals für die „Zeit“. „In dieser Zeit trug ich die publizistische Verantwortung für das, was bei ’stern TV‘ gesendet wurde“, sagte Jauch vor Gericht.
Ein Schuldeingeständnis war von Günther Jauch nicht zu hören. Als er gefragt wurde, wie er als Chefredakteur die journalistische Sorgfaltspflicht wahrgenommen habe, lautete seine Antwort: „Man achtet in erster Linie darauf, ob eine Geschichte stimmig ist.“ Der damals 40-Jährige verstand seine Rolle als Chefredakteur so: Er müsse nicht prüfen, ob eine Geschichte stimmt, sondern nur, ob sie stimmig sei. Sprich: ob der Zuschauer der Story folgen könne. Dass er die Verantwortung für die Fälschungen von sich schob, wurde 1996 hauptsächlich wegen eines Satzes als skandalös eingestuft: „Ich bin im Grunde genommen nie in einem Schneideraum drin gewesen.“
Was Jauchs Vater über die Angelegenheit dachte, ist nicht überliefert. Ernst-Alfred Jauch, in den Sechzigerjahren ein angesehener Journalist, prägte einst den Satz über seinen Sohn: „Was Günther macht, verstehe ich zwar nicht, aber es wird wohl gut bezahlt. Kein Mensch weiß, warum.“
Jauchs Karriere schadete die Affäre nicht. Bis zu seiner Abschiedssendung am 5. Januar 2011 moderierte er „stern TV“ 891 Mal. Bereits drei Jahre nach dem Born-Skandal bekam Jauch mit „Wer wird Millionär?“ einen festen Sendeplatz als Quizmaster bei RTL. Bis heute gilt der gebürtige Münsteraner als einer der beliebtesten Moderatoren des Landes.
Rückblicke ohne Michael Born – der Mantel des Schweigens
Es ist einer der wenigen Kratzer auf der sauberen Visitenkarte von Günther Jauch – abgesehen von seinem sagenumwobenen Abschied beim Bayerischen Rundfunk, der ihn fristlos entlassen hatte, nachdem Jauch negativ über seine Vorgesetzten gesprochen hatte. Doch so ausführlich er über seine BR-Kündigung sprach, so beharrlich schwieg er zum Thema Michael Born.












