„Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören“
Arzt gesteht in Mordprozess – Zahl der Toten noch unklar
25.06.2026 – 12:52 UhrLesedauer: 2 Min.
In Berlin steht seit einem Jahr ein Arzt vor Gericht: Dem 41-Jährigen werden 15 Morde vorgeworfen – es könnten aber auch noch weit mehr sein.
Fast ein Jahr nach Prozessbeginn hat Johannes M. das Wort ergriffen und sein bisheriges Schweigen gebrochen. Der wegen Mordes angeklagte 41 Jahre alte Palliativarzt gestand am 54. Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin, mehrere Patienten getötet zu haben.
„Ich bin erst jetzt in der Lage, mein Handeln zu erklären und übernehme die Verantwortung für meine Taten“, sagte der Angeklagte. „Ich entschuldige mich für das viele Leid, das ich über Sie gebracht habe“, sagte er an Angehörige sowie seine Familie und Kollegen gerichtet.
In seiner gut 30-minütigen Erklärung räumte der Angeklagte 12 der 15 angeklagten Taten ein. Der Arzt soll von September 2021 bis Juli 2024 Patienten getötet haben, sein erstes Opfer war laut Staatsanwaltschaft eine 25 Jahre alte Frau.
Arzt sagt: Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun
Im Prozess waren vor einigen Wochen abgehörte Telefonate abgespielt worden, die der Arzt aus dem Gefängnis heraus mit seiner Ehefrau geführt hatte. In diesen hatte er bereits Tötungen zugegeben – er habe aber nicht gemordet, so der Angeklagte zu seiner Frau. Er beschrieb ihr gegenüber sein Vorgehen als ein „moralisches Handeln mit den falschen Mitteln“.
Vor Gericht erklärte der Arzt, er äußere sich nicht wegen der „erdrückenden Beweise“, sondern wegen der Auseinandersetzung mit sich selbst in den vergangenen Monaten.
Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten „Leid und Siechtum“ zu ersparen. „Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören“, sagte der Angeklagte. Er habe sich für sein Handeln gehasst. „Ich weiß, dass ich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werde. Vielleicht ist das ein Trost für die Angehörigen“, sagte er mit Blick auf Hinterbliebene, die im Prozess als Nebenkläger auftreten und im Gerichtssaal saßen.
Staatsanwaltschaft ermittelt in 76 weiteren Fällen
Die Behörde hat zunächst 15 Fälle im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 in Berlin angeklagt. In einigen Fällen soll der Arzt Brände gelegt haben, um die Taten zu vertuschen. Mehrfach konnten Opfer von Rettungskräften zunächst reanimiert werden, bevor sie später starben. An einem Tag soll der Arzt zuerst vormittags einen 75 Jahre alten Mann in dessen Wohnung und wenige Stunden später eine 76 Jahre alte Frau bei ihr zu Hause getötet haben.
Es könnte noch viel mehr Opfer geben: Parallel zu der Verhandlung vor dem Landgericht laufen die Ermittlungen in derzeit 76 Fällen weiter, wie es von der Staatsanwaltschaft heißt. In diesem Rahmen ist Ende April auch eine weitere Exhumierung erfolgt, wie ein Behördensprecher auf Anfrage mitteilte.












