Mögliche Keimschleudern
Wie nasse Bademode zum Infektionsrisiko wird
Aktualisiert am 23.06.2026 – 07:20 UhrLesedauer: 4 Min.
Manche Frauen haben in den Sommermonaten häufiger mit Blasenentzündungen zu kämpfen. Welche Rolle die Badekleidung spielt und was Betroffenen hilft.
Starker Harndrang sowie brennende und stechende Schmerzen beim Wasserlassen sind typische Symptome einer akuten Blasenentzündung. Während der Schwimmbadsaison erkranken viele Frauen vermehrt daran. Ein Grund, Badeanzug und Bikini einmal genauer anzuschauen.
Blasenentzündungen treffen vor allem Frauen
Blasenentzündungen, medizinisch Zystitis genannt, treffen vor allem Frauen. Bei ihnen liegen Harnröhre und After eng beieinander. Zudem ist die weibliche Harnröhre gerade einmal vier Zentimeter lang. Bakterien finden leichter den Weg in die Blase. Im Vergleich: Die Länge der männlichen Harnröhre beträgt etwa 20 Zentimeter. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit erkranken etwa 10 von 100 Frauen mindestens einmal im Jahr an einer Blasenentzündung.
Diese Erreger verursachen Blasenentzündungen
Der häufigste Erreger bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen ist das im Darm natürlicherweise vorkommende Bakterium Escherichia coli. („Unkompliziert“ heißt in diesem Zusammenhang, dass die Infektion bei einer ansonsten gesunden Person ohne besondere Risikofaktoren auftritt.)
Aufgrund der weiblichen Anatomie können die Bakterien leicht an den Eingang der Harnröhre gelangen und über diese in die Blase aufsteigen. Ist die natürliche Abwehr des Intimbereichs geschwächt, steigt das Risiko. Weitere mögliche Erreger für Blasenentzündungen sind Enterokokken, Staphylokokken, Gonokokken, Hefepilze und Chlamydien. Diese können durch mangelnde Hygiene oder sexuellen Kontakt übertragen werden.
Warum oft mehr Blasenentzündungen im Sommer?
Im Sommer treten bei vielen Frauen vermehrt Blasenentzündungen auf. Verschiedene Faktoren spielen hierbei zusammen: „Kälte und Nässe sind zwei bedeutende Risikofaktoren. Beides schwächt die Abwehrfunktion von Scheide und Blase. Kälte verschlechtert die Durchblutung der Schleimhäute. Nässe verstärkt das Auskühlen, begünstigt das Keimwachstum und lässt außerdem die Haut aufquellen. Das Infektionsrisiko steigt“, erklärt Dr. Uta Schlossberger, Dermatologin aus Köln und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD).
Nasse Badekleidung ausziehen
Die Hautärztin rät, die nasse Badekleidung nach dem Schwimmen auszuziehen und gegen einen trockenen Ersatzbadeanzug auszutauschen. Besonders Frauen, die anfällig für Blasenentzündungen sind, sollten rasch reagieren, um einer Unterkühlung entgegenzuwirken. Den nassen Badeanzug am besten in der Sonne trocknen lassen. Dann ist er bald wieder als Wechselbekleidung einsatzbereit, und der nächsten Schwimmrunde steht nichts im Weg.
„Auf keinen Fall sollten Frauen die nassen Badesachen zusammengeknüllt liegen lassen oder luftdicht aufbewahren“, rät Schlossberger. „Im warmen und feuchten Milieu vermehren sich krank machende Erreger leicht. Zieht man den Stoff wieder an, kommen auch die Keime mit dem Intimbereich in Kontakt.“
Nach dem Schwimmbadbesuch die Badekleidung ausspülen
Die Expertin empfiehlt, nach dem Schwimmbadbesuch oder dem Tag am Meer die Badekleidung gründlich auszuwaschen. Das gelingt am Waschbecken mit etwas Waschmittel oder im Hotel auch mit Duschgel. Ist kein Reinigungsmittel zur Hand, hilft klares Wasser, Verunreinigungen und Reizstoffe wie Keime, Chlorrückstände, Salz und Sand aus dem Stoff zu spülen.
„Hängen Sie die Sachen auch zu Hause oder im Hotel am besten auf einen Bügel oder über den Wäscheständer und lassen Sie sie in der Sonne trocknen. UV-Licht wirkt antibakteriell. Eine mögliche Keimbelastung lässt sich so verringern“, sagt Schlossberger.












