TÜV schlägt Alarm
Autokonzerne sperren wichtige Daten
22.06.2026 – 07:08 UhrLesedauer: 2 Min.
Moderne Autos steuern, bremsen und halten die Spur fast von allein. Doch bei der Hauptuntersuchung stoßen Prüfer zunehmend an ihre Grenzen: Weil Hersteller wichtige Daten sperren, bleiben viele Risiken unsichtbar.
Für viele Autofahrer steht das TÜV-Siegel sinnbildlich für Sicherheit. Wer die Plakette bekommt, fährt ein verkehrssicheres Fahrzeug. So lautet zumindest das Versprechen. Doch moderne Fahrzeuge stellen die Hauptuntersuchung vor große Probleme. Besonders bei digitalen Assistenzsystemen fehlen den Sachverständigen von TÜV, Dekra und anderen Prüforganisationen oft die notwendigen Möglichkeiten. „Wir stochern im Nebel“, hieß es auf einer Konferenz des TÜV-Verbands in Berlin. Den Prüfern fehlen die technischen Mittel, um die Software moderner Fahrzeuge angemessen zu kontrollieren.
Probleme sind längst Alltag
Fahrassistenzsysteme wie Spurhalter, Notbremser oder automatische Abstandshalter sollen eigentlich die Sicherheit erhöhen. Die Realität auf den Straßen zeigt jedoch Schwächen. In einer Umfrage des Automobilclubs ACV berichtet fast die Hälfte der befragten Autofahrer von gelegentlichen oder häufigen Fehlfunktionen. Die Elektronik löst plötzlich grundlose Vollbremsungen aus, die Kamera liest Schilder notorisch falsch. Jeder vierte Befragte empfindet die digitalen Helfer nicht als Entlastung, sondern als nervigen Störfaktor.
Das Datengeheimnis der Autohersteller
Das Problem liegt tief in der Elektronik. Bisher lesen Prüfer bei der Hauptuntersuchung meist nur den Fehlerspeicher der Bordelektronik aus. Für eine verlässliche Diagnose müssten die Sachverständigen jedoch viel tiefer in die Fahrzeugdaten eindringen. Genau das verhindern Autohersteller, indem sie die notwendigen Diagnosecodes und digitalen Zugänge zu den Schnittstellen nur ungern freigeben. Selbst gesetzlich vorgeschriebene Assistenzsysteme können die Prüfer deshalb bei der Hauptuntersuchung nur eingeschränkt kontrollieren.

Das Bundesverkehrsministerium arbeitet zwar an Anpassungen der Regeln auf nationaler und EU-Ebene. Doch die Bürokratie bremst. Und die Probleme der Prüforganisationen wachsen. Bereits im vergangenen Jahr warnte die Dekra vor falsch eingestellten Sensoren und Assistenzsystemen auf den Straßen.
Die Ursachen dafür sind alltäglich: Tauscht eine Werkstatt nach einem Steinschlag die Frontscheibe und stellt die integrierte Kamera im Anschluss nicht haargenau ein, funktioniert die Technik nicht mehr richtig. Das Gleiche droht nach einem simplen Parkrempler an der Stoßstange, hinter der wichtige Radarsensoren sitzen.
Werkstätten als weiteres Nadelöhr
Hinter der Statistik verbirgt sich eine gewaltige Zahl. Jährlich werden in Deutschland rund zwei Millionen Windschutzscheiben ausgetauscht und zwei Millionen Stoßfänger beschädigt. Das Kraftfahrzeugtechnische Institut warnt, dass falsch eingestellte Sensoren oft gar nicht durch eine Warnleuchte auffallen, da die Toleranzen bereits ab Werk zu groß sind. Der Fahrer wiegt sich in falscher Sicherheit.
Gleichzeitig patzen die Werkstätten. Zwar haben fast alle Betriebe regelmäßig mit der neuen Technik zu tun, wie eine Umfrage des Portals Fabucar und des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe zeigt. Doch nur 52 Prozent sind überhaupt in der Lage, die sensiblen Assistenten im eigenen Betrieb richtig zu kalibrieren. Und weniger als die Hälfte überprüft die Systeme bei Inspektionen gemäß den Herstellervorgaben.










