Soziales Netzwerk
W Social startet in Testphase – Europas Angriff auf X
19.06.2026 – 11:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein neues soziales Netzwerk aus Schweden tritt an, den US-Giganten Konkurrenz zu machen. W Social setzt auf Ausweispflicht sowie DSGVO-Konformität und verzichtet auf einen Algorithmus.
Das europäische soziale Netzwerk W Social ist in eine öffentliche Testphase gestartet. Das Angebot versteht sich als europäische Alternative zu den großen Diensten aus den USA. Betrieben wird W Social von einer schwedischen Aktiengesellschaft mit Sitz in Stockholm.
Technisch baut die Plattform auf dem AT Protocol auf, einem offenen Standard, den auch Bluesky nutzt. Dadurch können Nutzer schon zum Start mit Konten aus dem Bluesky-Netzwerk interagieren, das nach eigenen Angaben rund 40 Millionen Konten umfasst.
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Gegründet wurde W Social von der Juristin Anna Zeiter, die früher bei eBay arbeitete, gemeinsam mit dem schwedischen Unternehmer Ingmar Rentzhog. Dem Beirat gehören mehrere frühere Regierungsmitglieder und Datenschutzfachleute an, darunter die scheidende Bundesdatenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider und der frühere Vizekanzler Philipp Rösler (FDP). Finanziert werde das Netzwerk den Angaben zufolge ausschließlich privat; staatliche oder EU-Gelder flössen nicht.
Anmeldung nur mit Ausweis oder Reisepass
Für die Anmeldung muss der Ausweis oder Reisepass einmalig eingescannt werden. Wer schreiben will, muss – anders als bei X, Bluesky oder Instagram – volljährig sein und sich in einem kurzen Video als reale Person ausweisen. Nach Angaben des Unternehmens würden die Ausweisdaten anschließend gelöscht; übrig bleibe nur ein verschlüsselter Nachweis (Token), der verhindern solle, dass eine Person mehrere Konten anlegt.
Wer nur mitlesen oder Beiträge liken will, braucht keinen Nachweis. Auch eine Anmeldung unter Pseudonym ist möglich; sichtbar sind dann nur Alter und Nationalität. Wer bei W Social aktiv mitmachen will, kann sich derzeit über die Webseite des Anbieters in eine Warteliste eintragen und wird nach und nach freigeschaltet. Auf dieser Liste standen vor dem Start nach Angaben des Unternehmens mehr als 50.000 Menschen.
Die Identitätsprüfung läuft über eine separate App namens W Identity, die für Android und iOS bereitsteht. Die App für die eigentliche Nutzung gibt es bisher nur für Android, noch nicht für iOS. Die vollständige Version ist für Januar 2027 geplant.
Daten in Europa, kein Algorithmus
Sämtliche Daten würden in der EU und nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verarbeitet, betont das Unternehmen. Automatisierte Konten, sogenannte Bots, seien nicht erlaubt. Die Beiträge sollen in zeitlicher Reihenfolge erscheinen, nicht über ein automatisches Empfehlungssystem. Auch eine automatische Moderation und das Anlegen von Nutzerprofilen seien nicht vorgesehen – Nutzerinhalte würden auch nicht zum Training von KI-Modellen verwendet.












