Helene Fischer und die Ticketpreise
„Bedrohlich für die Musikbranche“
14.06.2026 – 12:35 UhrLesedauer: 3 Min.

Konzerttickets wirken inzwischen wie Luxusgüter. Auch bei Auftritten von Helene Fischer muss man heute tiefer in die Tasche greifen. Das hat einen Grund.
Helene Fischer ist auf Stadiontour. Am 10. Juni gab die Schlagersängerin ihr Auftaktkonzert in Dresden. Das Rudolf-Harbig-Stadion war gut besucht, ausverkauft war es jedoch nicht. Ob die Ticketpreise dafür verantwortlich sind? Die sind über die Jahre bis in den dreistelligen Bereich gerutscht – und das nicht nur bei großen Stars wie Helene Fischer.
Das Phänomen mag nicht neu sein, wird aber zunehmend zum Problem für die Portemonnaies der breiten Mehrheit. Nur: Was steckt dahinter?
Ticketexplosion am Beispiel von Helene Fischer
Helene Fischer startete ihre Karriere einst auf kleinen Volksfesten. Als sie 2007 beim Park- und Schützenfest in Zabeltitz auftrat, kostete der Eintritt laut „saechsische.de“ sieben Euro im Vorverkauf. Heute füllt die Sängerin Stadien – und die Ticketpreise bewegen sich längst im dreistelligen Bereich. Doch die Entwicklung hat nicht nur mit Fischers Erfolg zu tun.
Einem „Bild“-Bericht zufolge lag das teuerste Ticket für Fischers erste Stadiontour im Jahr 2015 noch bei 85 Euro. Für solch eine Summe erhalten Fans heute nur noch regulären Eintritt im Stehbereich ihrer Shows. Für bessere Kategorien muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen. Sogenannte Exklusiv-Packages kommen mit 396 bis 529 Euro sogar schon beinahe einer Monatsmiete gleich.

Für viele Fans seien solche Preise „eine Hausnummer“, sagt Musiksoziologe Prof. Dr. Michael Custodis im Gespräch mit t-online. Bei vielen sitze das Geld derzeit nicht locker, „sodass man sich entscheiden muss, ob man sich einen Konzertbesuch leisten kann oder vielleicht doch im Internet einen Videomitschnitt anschaut“.
- „Wirtschaftlicher Druck enorm“: Rätsel um Helene Fischers Tour
Dennoch sieht Custodis eine Berechtigung in hohen Ticketpreisen. Der Experte erklärt: „Die Bedingungen im professionellen Musikbetrieb haben sich seit den 2000er-Jahren radikal gewandelt.“ Dieses Problem sei bekannt und bedrohlich für die Musikbranche, da nur noch über Merchandise und Konzerte Geld zu verdienen sei. Der einst lukrative Tonträgermarkt sei weitgehend weggebrochen, während marktbeherrschende Streamingdienste ihre hohen Gewinne nur zu einem Bruchteil an Künstler ausschütteten.
„Die Bedingungen haben sich radikal gewandelt“
Das bestätigt auch Johannes Everke vom Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungsbranche (BDKV). Er sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass Konzerte neben dem Verkauf von Merchandise-Artikeln und Gema-Vergütungen inzwischen rund 50 Prozent der Einnahmen von Musikern ausmachen. Nur 5,2 Prozent stammten dagegen aus dem Verkauf von Tonträgern, CDs, Schallplatten oder kommen durch Streaming-Einnahmen zustande.












