Toronto im Fußball-Fieber
Mit einem Bayern-Star zum WM-Titel
12.06.2026 – 11:17 UhrLesedauer: 7 Min.

Bei der WM schaut die Welt vor allem auf die USA. Dabei kann Co-Gastgeber Kanada mit einigen Vorzügen punkten, wie ein Besuch im Ahornstaat zeigt.
Habib steht im Stau. Der Highway 401 zum Flughafen Toronto Pearson ist verstopft. Habib blieb die ganze Zeit cool, aber jetzt verliert er doch noch die Nerven. „Wie wollen die hier eine WM ausrichten?“, schimpft er hinter dem Steuer seines Toyota-Hybrids.
Habib ist Taxifahrer in Toronto. Es ist Anfang Juni und die Stadt fiebert dem größten Sportereignis entgegen, das Kanada jemals erlebt hat. Das WM-Eröffnungsspiel der Kanadier gegen Bosnien-Herzegowina steigt am 12. Juni in Torontos BMO Field-Stadion. Habib kann sich nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. „Noch mehr Leute? Es ist doch jetzt schon alles voll.“ Auf dem Weg zum Flughafen hat es eine halbe Ewigkeit gedauert, um nur aus der Innenstadt herauszukommen. „Überall Stau“, stöhnt er.
Zwölf Spiele der Fußball-WM 2026 werden in Kanada stattfinden. Sechs davon in Toronto. Damit zählt die Stadt zu den kleineren Gastgebern bei dem in drei Ländern ausgetragenen Fußballfest. Als Fußballnation zählen Kanadas Kicker nicht zu den Großmächten. Das Team der Männer liegt derzeit auf Platz 30 der Fifa-Weltrangliste, noch hinter Australien und Algerien. Doch von den drei Gastgeberländern bei der WM ist Kanada vielleicht das spannendste. Denn der Fußball erlebt im Land einen Boom. Nirgendwo ist das besser zu beobachten als in Toronto.


Enorme Bevölkerungszuwächse in Toronto
Überall wachsen Fußballplätze aus dem Boden. Schon beim Anflug auf die Stadt sind die vielen Sportplätze zu sehen, die sich von den Wohnvierteln bis zur Innenstadt ziehen. Selbst mitten Downtown kommt man kaum an den zahlreichen Pop-up-Spielfeldern vorbei, die hier zuletzt aufgebaut wurden. Zwischen Schwärmen von Geschäftsleuten und Touristen wird hier fröhlich gekickt. „Ich kann es kaum erwarten, dass die WM losgeht“, sagt Jagwinder, ein Kanadier mit indischen Wurzeln“, der an einem der Bolzplätze in der Nähe von Torontos berühmten CN Tower steht. Und weil Indien keine Fußballnation ist, drückt Jagwinder bei der WM den Brasilianern um Neymar die Daumen. Seiner Wahlheimat Kanada räumt er immerhin Außenseiter-Chancen ein. „Wenn es richtig gut läuft, haben sie vielleicht eine Chance auf den Titel“, sagt der 33-Jährige.
Die Stars des kanadischen Teams sind Juventus-Stürmer Jonathan David, Portos Mittelfeld-Metronom Stephen Eustáquio und zuvorderst Alphonso Davies. Der Linksverteidiger des FC Bayern München gibt in der kanadischen Nationalelf mit 25 Jahren als Kapitän den Ton an. Er zählt zu den begehrtesten Fußballern in Europa. Doch nur mit ihm wird Team Kanada das Turnier nicht gewinnen. Experten bemängeln vor allem die Durchschlagskraft in der Offensive. Zwar wachsen im kanadischen Nachwuchsfußball zahlreiche Talente heran, doch für die Heim-WM kommt das zu spät. Das fußballerische Potenzial ist im Ahornstaat jedenfalls enorm.












