Mythen auf dem Prüfstand
Ist das Verschlucken eines Kaugummis schädlich?
Aktualisiert am 07.06.2026 – 20:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Kaugummi hat wohl jeder schon einmal gekaut. Aus Versehen oder mit Absicht landet die klebrige Masse manchmal im Magen anstatt im Mülleimer: Ist das schlimm?
Das erste Kaugummi-Patent gibt es schon seit über 150 Jahren. Seit dem weltweiten Siegeszug der klebrigen Masse ranken sich wilde Theorien darum, was Kaugummis mit dem Körper machen. Müssen Dauerkauer etwa Karies, einen Blähbauch oder gar richtig dicke Kiefermuskeln befürchten? Was ist wirklich an den Mythen dran?
Kann Kaugummikauen das Zähneputzen ersetzen?
Nein, erklärt die Bundeszahnärztekammer. Kaugummikauen kann die Mundhygiene aber unterstützen, weil die Produktion von Speichel angeregt wird. Beim Verspeisen kohlenhydratreicher Lebensmittel wandeln Bakterien Zucker in Säuren um. Diese lösen Mineralien aus dem Zahnschmelz heraus und begünstigen so die Entstehung von Karies.
Laut Bundeszahnärztekammer hilft der Speichelfluss dabei, Zähne etwa nach dem Essen zu reparieren, indem er den Mineralverlust ausgleicht. Speichel besitzt zudem eine antibakterielle Wirkung und neutralisiert den durch die Säuren entstandenen sauren pH-Wert in der Mundhöhle.
Auch Dr. med. Hans Michael Mühlenfeld, Arzt für Allgemeinmedizin, sagt, dass Kaugummikauen das Zähneputzen nicht ersetzen kann. „Allerdings ist das Kauen zuckerfreier Kaugummis durchaus geeignet, Speisereste aus Zahnzwischenräumen zu entfernen“, erklärt der Vorsitzende des Bremer Hausärzteverbandes. Damit sei eine Vorreinigung möglich.
Haben Kaugummis eine abführende Wirkung?
Auf Verpackungen finden Sie oft den Hinweis, dass Kaugummis bei übermäßigem Verzehr abführend wirken können. „Viele Kaugummis enthalten Zuckerersatzstoffe wie zum Beispiel Sorbit, diese haben eine abführende Wirkung“, sagt Mühlenfeld. Daher könne ein solcher Effekt nach mehr als fünf bis sieben Kaugummis durchaus eintreten. Deshalb gilt: innerhalb kürzerer Zeit nicht zu viele Kaugummis kauen.
Bekommt man vom Kaugummikauen ausgeprägte Kiefermuskeln?
Grundsätzlich stärkt jede Kaubewegung die Kiefermuskulatur, wie die Experten der Bundeszahnärztekammer erklären. Zu sichtbaren Effekten – wie beispielsweise deutlich ausgeprägten Kiefermuskeln – führe das aber nur in extremen Fällen, etwa wenn jemand jeden Tag stundenlang Kaugummi kaut.
Verursachen Kaugummis Karies?
„Bei den heute im Handel erhältlichen zuckerfreien Kaugummis besteht die Gefahr nicht“, sagt die Bundeszahnärztekammer. Der in Kaugummis häufig verwendete Zuckeraustauschstoff Xylit etwa könne nicht von Bakterien zu Säuren verarbeitet werden, die Mineralien aus dem Zahnschmelz herauslösen. Nach Ansicht des Zahnarztes können Sie ausschließen, dass sie Karies verursachen. Welche Süßstoffe im Kaugummi enthalten sind, können Sie mit einem Blick auf die Inhaltsstoffe erkennen.
Reduziert Kaugummikauen das Hungergefühl?
Nein, das Gegenteil sei eher der Fall, sagt Mühlenfeld. „Durch das Kauen wird ja dem Körper signalisiert: ‚Da kommt gleich etwas‘, was dann aber nicht kommt.“ Dieser Effekt tritt aber nicht sofort auf: Kaugummikauen könne zeitweise das Hungergefühl verringern, erklären die Zahnexperten. Anschließend komme es aber verstärkt wieder.
Ist das Herunterschlucken von Kaugummis schädlich?
Seines Wissens nach nicht, sagt Hausarzt Mühlenfeld. Allerdings sollten Sie nicht verdauliche Stoffe eben nicht herunterschlucken. „Ein Kaugummi per se ist nicht schädlich“, bestätigt auch die Bundeszahnärztekammer. Das hänge allerdings von der Menge ab. „Keiner muss sich Sorgen machen, wenn er mal aus Versehen einen Kaugummi verschluckt.“ Einen Arzt aufsuchen müssen Sie deswegen nicht, so der Zahnarzt.












