Gleichzeitig verschiebt sich die Wertschöpfung. Batterien, Software, Elektronikarchitekturen und teilweise ganze Fahrzeugplattformen stammen immer häufiger von chinesischen Unternehmen. Damit entsteht eine spannungsreiche Parallelität: Konkurrenten werden gleichzeitig zu Partnern.
Chinesen in europäischen Werken
Während viele europäische Hersteller mit sinkenden Margen und teilweise schlecht ausgelasteten Werken kämpfen, suchen chinesische Hersteller Produktionskapazitäten in Europa. BYD hat bereits eigene Werke in Ungarn und der Türkei, sucht aber weitere Möglichkeiten. Daraus entstehen Kooperationen, die vor wenigen Jahren noch ungewöhnlich erschienen wären.
Die Opel-Mutter Stellantis plant, mehrere europäische Werke mit Modellen von Leapmotor und Dongfeng auszulasten. Der Auftragsfertiger Magna produziert bereits Fahrzeuge für Xpeng im österreichischen Graz. Nissan wiederum hat eine Vereinbarung mit Chery unterzeichnet, die eine Produktion im britischen Sunderland vorsieht. Auch bei Volkswagen wurde wiederholt darüber diskutiert, freie Kapazitäten gemeinsam mit chinesischen Partnern zu nutzen. Und MG will ab 2028 Fahrzeuge in Spanien fertigen. Hier sollen „Kooperationen mit europäischen Technologiepartnern, Forschungsinstituten und regionalen Zulieferern“ intensiviert werden, heißt es.
Die Europäer können also ihre Werke auslasten und Jobs bewahren, gleichzeitig schaffen sie der Konkurrenz eine einfache Möglichkeit, Importzölle zu vermeiden und ihre Fahrzeuge günstiger anzubieten. Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka bezeichnete die Zusammenarbeit chinesischer Hersteller mit europäischen Werken laut dem „Handelsblatt“ als mögliches „trojanisches Pferd“. Die Befürchtung: Kurzfristig helfen die Kooperationen den europäischen Standorten. Langfristig könnten sie Wettbewerber stärken, die ohnehin Marktanteile gewinnen.
Viele Marken haben einen chinesischen Eigner
Nicht nur chinesische Marken kommen nach Europa – auch viele bekannte Traditionshersteller gehören mittlerweile zu chinesischen Großkonzernen. Volvo gehört seit 2010 zum chinesischen Geely-Konzern, baut zahlreiche Modelle in China, einige in Schweden. Die traditionsreiche britische Marke MG ist Teil des chinesischen Staatskonzerns SAIC Motor.
Projekte wie die Auferstehung der deutschen Traditionsmarke Borgward oder des italienischen Herstellers Itala (1934 in Konkurs gegangen) gehen einen anderen Weg: Hinter dem neuen SUV Itala 35 steckt Technik des chinesischen Herstellers GAC. Plattform, Antrieb und große Teile der Fahrzeugarchitektur stammen aus China. Design und Endmontage sollen dem Fahrzeug dagegen einen europäischen Charakter geben.










