Steuerreform
Ökonomen richten offenen Brief an die Bundesregierung
02.06.2026 – 16:59 UhrLesedauer: 3 Min.
Top-Ökonomen fordern das Aus für das bisherige Ehegattensplitting. Familien sollen profitieren, kinderlose Paare dagegen stärker belastet werden.
Mit einem offenen Brief an die Bundesregierung wollen führende deutsche Ökonomen die Debatte um das Ehegattensplitting wieder anheizen. Die prominenten Initiatoren, darunter Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft, und Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB), schlagen eine grundlegende Reform des Steuervorteils für Ehepaare vor.
Ziel des Vorschlags, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, ist es, die Arbeitsanreize für Frauen zu erhöhen und Familien mit Kindern zu entlasten.
Reformvorschlag: Begrenztes Realsplitting statt Vollsplitting
Das Ehegattensplitting, das vor allem Paare mit großen Einkommensunterschieden begünstigt, steht seit Jahren in der Kritik. Der Reformvorschlag der Ökonomen sieht vor, das bisherige Vollsplitting durch ein sogenanntes begrenztes Realsplitting zu ersetzen. Für einen ähnlichen Vorschlag hatte sich auch schon das SPD-geführte Finanzministerium ausgesprochen.
Das Realsplitting ist eigentlich für Geschiedene gedacht, um den Unterhalt von der Steuer absetzen zu können. Analog dazu könnten Verheiratete im Prinzip getrennt voneinander besteuert werden, der besserverdienende Partner dürfte aber maximal 13.805 Euro pro Jahr auf den anderen übertragen. Sein zu versteuerndes Einkommen sinkt also um diesen Betrag, während das des anderen in gleicher Höhe steigt. Der bislang unbegrenzte Steuervorteil durch das Ehegattensplitting würde also gekappt werden. Das würde insbesondere Paare mit sehr großen Einkommensunterschieden weniger stark entlasten, während Familien mit Kindern und Alleinerziehende stärker profitieren sollen.
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Ehegattensplitting setzt Fehlanreize
„Wir müssen angesichts des demografischen Wandels das Erwerbspotenzial der vielen gut ausgebildeten Frauen in Deutschland besser nutzen“, sagt Nicola Fuchs-Schündeln. „Und wer möchte, dass mehr Menschen ihre Arbeitszeit ausweiten, muss dafür sorgen, dass sich das auch finanziell lohnt.“ Unterstützt wird der Vorschlag unter anderen auch von
den Instituts-Chefs Clemens Fuest (Ifo) und Marcel Fratzscher (DIW).
Derzeit lohnt es sich für den Ehepartner mit geringem Einkommen oft kaum, die Arbeit auszuweiten oder überhaupt einen Job aufzunehmen. Denn dann sinkt gleichzeitig der Steuervorteil durch den Splittingtarif. Angesichts des Fachkräftemangels sei das nicht mehr tragbar, so die Initiatoren. Vor allem Frauen werden so vom Arbeitsmarkt ferngehalten. Denn noch immer sind sie in drei Viertel der Fälle diejenigen, die in einer Partnerschaft weniger verdienen.
Entlastung für Familien, Belastung für kinderlose Paare
Die Reform würde laut Berechnungen der Wissenschaftler Familien mit Kindern im Schnitt um 585 Euro pro Jahr entlasten. Alleinerziehende würden eine durchschnittliche Steuererleichterung von 417 Euro erhalten. Kinderlose Paare mit ungleichen Einkommen müssten hingegen mit einer durchschnittlichen Mehrbelastung von 316 Euro pro Jahr rechnen.












