„Ich hasse die First Lady“
In der Gymnastikszene löste dieser Kader keine Vorfreude aus, sondern Kritik. Der Grund: Athletinnen der privaten Schule von Kabajewa haben Gymnastinnen der russischen Nationalmannschaft verdrängt und ersetzt.
Fachleute halten die Auswahl nicht für sportlich nachvollziehbar. Besonders heftig fiel die Reaktion in einem Telegram-Kanal mit dem Titel „Rgchatik“ aus. Der Kanal bezeichnet sich selbst als größten Chat zur Rhythmischen Sportgymnastik und zählt nach eigenen Angaben 9.000 Mitglieder. Dort diskutieren Trainer, aktive Sportler, ihre Eltern, Scouts und Sportjournalisten über die Entwicklungen in diesem Sport.
Nach der Veröffentlichung des Kaders erschienen dort Hunderte kritische Kommentare, berichtet das unabhängige Medium „Agentstwo“. Viele Nutzer warfen Kabajewa Vetternwirtschaft vor und kritisierten den Einfluss ihrer Schule. „Ich hasse die First Lady“, schrieb eine Nutzerin. Eine andere kommentierte: „Verdammt, ich hasse Kabajewa.“ Und eine weitere Beteiligte bemerkte vieldeutig: „Ich glaube nicht, dass Kabajewa zur Vernunft kommt, das liegt wohl in der Familie.“
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Alina Kabajewa entscheidet, wer zum Star taugt
Wiederholt fiel der Vorwurf, sportliche Leistungen spielten bei der Auswahl nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Kritik richtete sich nicht nur gegen die aktuelle Kaderentscheidung. In den Diskussionen verwiesen viele Nutzer auch auf frühere Wettbewerbe. Sportlerinnen aus Kabajewas Schule hätten zuletzt wiederholt von fragwürdigen Wertungen profitiert, lautete der Vorwurf.
Im Chat äußerten mehrere Nutzer die Vermutung, dass sich der Einfluss der Schule von Kabajewa längst auf Kampfrichterbewertungen und Verbandsentscheidungen erstreckt. „Wenn Kabajewa entscheidet, dass jemand ein Star ist, dann muss diese Person eben auch wie ein Star bewertet werden“, heißt es sarkastisch in einem Kommentar. Nur die internationalen Richter würden dies wohl nicht verstehen wollen.
Russischer EM-Kader bleibt unverändert
Einige Beteiligte versuchten dennoch, Widerstand zu organisieren. In dem Chat kursierte Anfang Mai ein Aufruf, Druck auf den Verband auszuüben und eine Änderung des Aufgebots zu erreichen, solange das Reglement dies noch zulasse. Doch der Aufruhr verpuffte im Nichts.












