Am Abend des 11. Mai sollte das Wasser wieder fließen. Doch am Dienstag ist die Stadt immer noch von der Wasserversorgung abgeschnitten. Ein Einwohner berichtete im Gespräch mit dem oppositionellen TV-Sender Dozhd: „Heute bin ich aufgewacht, und man sagte mir am Telefon, dass sie nun erklärt hätten, das Wasser werde frühestens am 15. Mai wiederkommen, weil Starkregen die Arbeiten verzögere.“
Russland – eine Großmacht, die mit ihrer Kanalisation kämpft
In den Geschäften sei Wasser bereits ausverkauft. Nur noch in Saratow, der Großstadt am gegenüberliegenden Ufer der Wolga, sei noch Wasser zu bekommen. „Man könnte sagen: Diese Großmacht ist nicht einmal in der Lage, ihre Kanalisation in Ordnung zu bringen“, setze er sarkastisch hinzu.
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Keine Versorgung mit Trinkwasser – Engpässe in Supermärkten
Besonders groß ist der Ärger über die fehlende Versorgung mit Trinkwasser durch die Behörden. „Wasserlieferungen erfolgen nur im Zentrum, direkt dort, wo der Rohrbruch passiert ist“, berichtete eine Einwohnerin. Ein paar Kanister, mehr nicht. „Das heißt: Wasser muss man auf eigene Rechnung kaufen. Aber es gibt kein Wasser. Wenn etwas geliefert wird, dann ist es schnell ausverkauft“, klagte sie.
„Die Leute sind natürlich unzufrieden, weil man nicht einmal seine grundlegenden alltäglichen Bedürfnisse erfüllen kann.“ Und wie lange das noch dauern werde, wisse niemand. „Im Moment sitzen wir weiter ohne Wasser da“, sagte sie am Dienstagmorgen.
Darminfektionen und Hepatitis A werden zur Gefahr
Die russische Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor warnt inzwischen vor gesundheitlichen Folgen der Katastrophe. Wegen der überschwemmten Straßen, der beschädigten Kanalisation und der eingeschränkten Wasserversorgung bestehe ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung von Darminfektionen und Hepatitis A.
Die Behörde rief die Einwohner dazu auf, nur abgekochtes oder abgefülltes Wasser zu trinken. Selbst zum Waschen soll möglichst nur abgekochtes Wasser verwendet werden. Gemüse und Obst müssten gründlich gereinigt und anschließend mit kochendem Wasser übergossen werden. Für Kinder empfehlen die Behörden abgekochtes Wasser auch zum Baden. Babyflaschen und Geschirr sollten zusätzlich ausgekocht werden.
Behörden in Russland beginnen mit Hyperchlorierung
Gleichzeitig begannen die russischen Behörden damit, das Trinkwassersystem in Engels zu hyperchlorieren. Der Chlorgehalt des Wassers wird dabei kurzzeitig massiv erhöht, um mögliche Krankheitserreger abzutöten. Die Behörden weisen darauf hin, dass das Wasser dadurch einen deutlich wahrnehmbaren Chlorgeruch und -geschmack annehmen könnte – wenn es denn wieder fließen sollte. Allergiker sollten nach Empfehlung möglichst ganz auf Leitungswasser verzichten und ausschließlich abgefülltes Wasser verwenden.












