Dennoch warnt der Krebsexperte davor, Angst vorm Schlafen zu entwickeln. Schlaf töte nicht, betont er. Und auch weniger zu schlafen, sei keine Lösung. Denn: „Auch wenn viele CTCs im Blut zirkulieren, heißt das nicht, dass diese an einem anderen Ort im Körper automatisch einen Tumor bilden“, sagt Augustin.
„Die meisten metastatischen Zellen in Blut und Lymphgefäßen sterben aufgrund der mechanischen Belastungen ab. Nur wenige finden tatsächlich eine metastatische Nische, wo sie sich ansiedeln können“, sagt Augustin. Diese müssten dann zudem tatsächlich das Potenzial in sich tragen, eine Tochtergeschwulst zu bilden. Da täten jedoch nur wenige. Metastatische Krebszellen könnten sich ansiedeln, ohne sich zu vermehren. Sie könnten auch viele Jahre schlafen und erst irgendwann aktiv werden. „Oder sie beginnen zeitnah mit der Zellvermehrung, sagt Augustin.“
Dem Experten zufolge kommt es weniger auf die tatsächliche Menge der CTCs im Blut an als auf die Aggressivität einzelner Krebszellen. Das bedeutet: Mehr zirkulierende Krebszellen im Blut bedeuten nicht automatisch ein größeres Risiko für die Bildung von Metastasen.
Das Wissen, dass sich Brustkrebs nachts anders verhält und die Zellsituation im Körper eine andere ist, bietet Chancen für weitere Forschungsarbeiten. Es ist durchaus denkbar, dass künftig Therapien angepasst werden, etwa was die Behandlungszeiten angeht. „Die Berücksichtigung der tageszeitlichen Rhythmizität von Tumoren und metastatischen Krebszellen sowie auch die Kommunikation zwischen dem Primärtumor und Fernmetastasen, wozu wir am DKFZ forschen, bergen erhebliches Potenzial, die Bekämpfung von Krebs zukünftig erfolgreicher zu machen“, sagt Augustin.
Weitere Forschungen seien notwendig. Interessant ist laut dem Experten beispielsweise, der Überlegung nachzugehen, ob Ort und Verhalten einer zukünftigen Metastase möglicherweise bereits festgelegt sind, wenn Zellen den Primärtumor verlassen. Könnte es möglich sein, dass metastasierungsfähige Zellen vom Primärtumor programmiert sind? Die Metastasen-Forschung ist laut dem Experten deshalb so bedeutend, weil Metastasen die Haupttodesursache von Krebspatienten darstellen, diese aber noch nicht gut verstanden sind.
Es gibt keine klare Antwort darauf, ob und wann Krebs Metastasen bildet. Manche Tumoren wachsen rasch, andere langsam, manche sind sehr aggressiv, bei anderen kann zugewartet werden. Es gibt auch keinen bestimmten Zeitpunkt, wann Krebs Metastasen bildet. Mancher Krebs streut bereits in einem sehr frühen Stadium, andere Tumoren erst spät oder gar nicht.












