Dies wirkte sich massiv auf Fernandes aus. Sie sagte der „Süddeutschen Zeitung“ in dieser Woche: „Mir ging es vor der Anzeige besser als jetzt.“ Andere Betroffene hätten Fernandes vor den negativen Reaktionen gewarnt: „Der erste Schmerz sei die Tat, der zweite die Stigmatisierung, die folgt, sobald man den Mund aufmacht. Man sei eine rachsüchtige Ex, die lügt, und so weiter.“ Fernandes ist dennoch überzeugt: „Ich glaube, es braucht diesen Aufschrei der Menschen da draußen, um zu sagen: Es reicht, jetzt bitte endlich echter Feminismus von Männern“.
Ob es wirklich dazu kommt, hängt auch von der Aufmerksamkeitsökonomie des Falls ab. Schien das Thema vor einem Monat medial allgegenwärtig, lässt die Nachfrage inzwischen massiv nach. Ein Blick in Google Trends belegt: Nachdem das Suchvolumen zu den Namen „Collien Fernandes“ und „Christian Ulmen“ am 20. März 2026 rasant angestiegen war, flachte es bereits in den darauffolgenden Tagen stetig ab. Zwischen dem 24. und 29. März hielt es sich in etwa auf einem Level, das jedoch nur etwa ein Fünftel des anfänglichen Interesses ausmachte.
Nach einer ersten Welle an solidarischen Reaktionen fanden sich unter Social-Media-Postings auch vermehrt Kommentare, die auf die für Ulmen geltende Unschuldsvermutung hinwiesen. Dieser Gegentrend zum gesellschaftlichen Aufschrei bildet sich auch in der Google-Suche ab. Innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten wurde am 22. März und damit drei Tage nach der Veröffentlichung von Fernandes‘ Vorwürfen der Begriff „Unschuldsvermutung“ am häufigsten in der Suchmaschine eingegeben.
Dass diese Gegenbewegung auch extreme Formen annahm, machte Fernandes‘ Auftritt in Schutzweste am 25. März 2026 aufgrund von Morddrohungen bei der Demo in Hamburg deutlich. Mittlerweile ist Fernandes überzeugt, dass die vielen Hassnachrichten auch „mit dem Verhalten der Gegenseite“ zusammenhängen, die gegen die Berichterstattung vorgeht. Auf Anfrage von t-online schweigt Medienanwalt Christian Schertz, der Christian Ulmen in der Angelegenheit vertritt, bislang zu diesem Vorwurf.
t-online wollte von ihm außerdem wissen, warum man zwar gegen die Berichterstattung des „Spiegel“ vorgehe – die Kernvorwürfe des Artikels aber nicht angreife. Lässt sich daraus ableiten, dass Ulmen tatsächlich Fake-Profile seiner Ex-Frau erstellte, mit Hunderten Männern in Kontakt stand und teilweise mit ihnen Telefonsex praktizierte? Christian Ulmen hüllt sich dazu seit mehr als fünf Wochen in Schweigen.












