Markus Söder ist wieder mal vorgeprescht und hat Ilse Aigner zur CSU-Wunschkandidatin als Bundespräsidentin erklärt. Er ist das freie Radikal dieser Regierung. Bislang erweist sich Merz als machtlos dagegen.
Der „Kini“ aus München hat gesprochen und gesagt, wie es sein soll. In Manier und Tradition eines bayerischen Monarchen hat Markus Söder verkündet, dass seiner Meinung nach seine Parteifreundin Ilse Aigner Bundespräsidentin werden sollte. Es ist das altbekannte Muster. Söder macht, was er will. Und Friedrich Merz bekommt ihn nicht eingehegt. In der Union aus CDU und CSU wackelt immer wieder der Schwanz mit dem Hund.
Unvergessen, wie Söder seinerzeit den CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet in der heißen Phase des Wahlkampfs gepiesackt hat. Skrupellos, wie er CSU-Unsinn wie die Ausweitung der Mütterrente durchgedrückt hat, als alle vor allem ums Sparen bemüht sein mussten. In einer einzigen Szene hat sich schon vor geraumer Zeit in Bernstein eingegossen, wie Söder seine Rolle gegenüber der CDU und in Person Friedrich Merz begreift. Einmal fuhr er zu einem Treffen zu Merz in dessen Heimat, das Sauerland. Eine scheinbar unterwürfige Geste. Der Statthalter einer großen Provinz fährt zur Nummer eins der Veranstaltung.
Dort im Sauerland gab es dann Weißwurst und Weißbier, und Söder sagte frei heraus, dass er so schnell eher nicht wieder in diese Gegend kommen werde, und Bayern im Übrigen viel schöner sei.
Söder ist das freie Radikal von Schwarz-Rot, der Solist von der Isar, der noch nie viel Rücksicht genommen und letzte Reste davon längst aufgegeben hat. Zugleich hat er mehr politischen Instinkt im kleinen Finger als Friedrich Merz in einer ganzen Hand. Söder versteht, Söder dampft Politik, und er hat die Erfahrung. Als die Chuzpe vom lieben Gott verteilt wurde, hat Söder dreimal „Hier!“ geschrien und jedes Mal Nachschlag bekommen.
Aber Politik ist immer Bewegung. Auf einen Zug folgt der nächste. Wenn sich nun SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil und Kanzler Merz unterhaken, dann können sie in der Causa Bundespräsidentin an Söder ein Exempel statuieren: Interessant, was du dir als Lösung vorstellst. Wir haben aber eine andere im Blick. Und: Wir zusammen sind die Mehreren.
Einen gemeinsamen Gegner ein für alle Mal in die Schranken zu weisen, klarzumachen, wer hier die Köche sind, kann neu zusammenschweißen. Über den Einzelfall, das Exempel hinaus. Was dringend nötig wäre, angesichts von plausiblen Berichten über ein schweres Zerwürfnis der beiden. Und im Wissen um die existenzielle Bedeutung der Achse von Kanzler und Vizekanzler in einer Phase des gemeinsamen Regierens, in der sie beide an der Wegscheide von Scheitern und Reüssieren stehen.











