Krise spitzt sich zu
In der Schweiz droht dem Rekordmeister der Absturz
25.04.2026 – 09:01 UhrLesedauer: 3 Min.
Nicht der FC Basel oder die Young Boys Bern haben die meisten Meistertitel in der Schweiz, sondern die Grashoppers aus Zürich. Heute hat der einstige Spitzenverein große Probleme.
Fünf Spiele sind noch zu spielen, doch beim Grashopper Club Zürich liegen die Nerven jetzt schon blank. Fünf der vergangenen sechs Ligaspiele hat der Klub verloren, ist zudem aus dem Pokal ausgeschieden. In der Abstiegsrunde – in der Schweiz wird die Liga in der Schlussphase zweigeteilt – ist GC Zürich Vorletzter. Zwar beträgt der Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz acht Punkte, der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz jedoch sieben Zähler. Aktuell müssten die Grashoppers zum dritten Mal in Folge in die Barrage, dem Schweizer Pendant zur Relegation.
Die Stimmung bei den Anhängern ist am Boden. Nach dem Aus im Pokal-Halbfinale vergangene Woche warfen ein paar von ihnen Leuchtfackeln aufs Spielfeld, später dann auch auf den Mannschaftsbus. Auch Absperrgitter sollen auf den Wagen geflogen sein.
Nur mit Polizeischutz konnten die Spieler das Stadion verlassen. In einer Stellungnahme reagierte der Klub auf die Vorkommnisse: „Wir verstehen die große Enttäuschung über die gestrige Cup-Niederlage. Die Mannschaft, der Klub sowie das ganze Klubumfeld teilen diese ebenfalls. Dennoch wurde mit diesem Vorfall eine klare Grenze überschritten: Dieses Verhalten ist beschämend und in keiner Weise akzeptabel.“ Selten war die Lage beim Schweizer Rekordmeister (27 Titel) und Rekordpokalsieger (19 Titel) so kritisch.
Der Frust vieler Fans richtet sich auch gegen das Konstrukt, zu dem ihr Verein gehört. Denn GC Zürich wurde vor etwas mehr als zwei Jahren von den Eigentümern des MLS-Klubs Los Angeles FC gekauft. Zudem ist der FC Bayern München über das gemeinsame Kooperationsprojekt „Red and Gold“ ein Partnerklub von GC, weshalb Talente wie Jonathan Asp Jensen oder Nestory Irankunda nach Zürich verliehen sind oder waren.
Dieses System ist der aktiven Fanszene der Grashoppers, Sektor IV, ein Dorn im Auge. „Seit dem Besitzerwechsel hin zum LAFC im Januar 2024 wurde ein halbes Dutzend Trainer, mehrere Sportchefs und verschiedenste Mitarbeiter der Geschäftsstelle ausgetauscht. Die mit der Übernahme gemachten Versprechen wurden trotzdem nie auch nur annähernd eingehalten“, kritisierte der Sektor IV auf seiner Webseite. „Wir schauen nicht mehr länger zu, es ist Zeit, dass der LAFC Platz macht für neue Investoren aus der Schweiz.“
Kritik an Sportchef: „Er entscheidet allein. Und das ist nicht gut“
Angespannt ist die Stimmung aber nicht erst seit dem Pokal-Aus. Im März musste Trainer Gerald Scheiblehner nach nicht einmal einem Jahr im Amt gehen. Der Schweizer Sportdirektor Alain Sutter, der auch erst seit dem Sommer 2025 im Klub ist, rückte in den Fokus der Kritik. Der Vorwurf: Nicht Scheiblehner sei das Problem, sondern Sutters Kaderplanung. Der Ex-GC-Stürmer Kubilay Türkyilmaz kritisierte in seiner Kolumne für die Zeitung „Blick“: „Diese Mannschaft hat weder genügend Qualität noch Charakter.“ Die Entlassung Scheiblehners bezeichnete er als „überstürzt“. Sutter fehle es an einem Gegenpart. „Er entscheidet allein. Und das ist nicht gut“, schrieb Türkyilmaz.











