„Stark übertrieben“
Gänswein beurteilt Papst Franziskus vor Todestag kritisch
Aktualisiert am 21.04.2026 – 12:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Schwarzwälder Geistliche war enger Vertrauter von Benedikt XVI., doch zu Papst Franziskus hatte er ein schwieriges Verhältnis.
Nach dessen Tod veröffentlichte Gänswein 2022 das Buch „Nichts als die Wahrheit“. Darin äußerte er Enttäuschung über Franziskus und machte teils private Briefe öffentlich. In der Folge wurde er zunächst in seine Heimat versetzt und später als Vatikan-Botschafter ins Baltikum entsandt.
Gänswein schilderte die außergewöhnliche Phase nach dem Rücktritt des Deutschen, mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger, in der zeitweise zwei Päpste im Vatikan lebten. Dies sei jedoch häufig missverstanden worden: „Es gab nur einen Papst“, sagte er. Die oft beschriebene Doppelspitze sei zwar „beispiellos“, die Männer hätten aber keine gleichberechtigte Autorität gehabt. Benedikt sei tatsächlich „Papst Emeritus“ gewesen.
Die gleichzeitige Präsenz zweier weiß gekleideter Männer habe zwar für Verwirrung gesorgt, aber Ratzinger habe bewusst Unterschiede betont – etwa durch veränderte Kleidung und ein zurückhaltenderes Auftreten. Franziskus habe seinen Vorgänger „sehr brüderlich“ behandelt. Berichte über größere geistliche Konflikte seien „stark übertrieben“, so Gänswein.
Auch die Darstellung, Benedikt sei eine Art Anlaufstelle für konservative Kritiker geworden, treffe so nicht zu, betonte der Geistliche. Vielmehr sei im Laufe der Zeit eine gewisse Vertrautheit gewachsen, die sich auch in kleinen Gesten zeigte – etwa bei gegenseitigen Geschenken, zitierte ihn „La Repubblica“.
Papst Franziskus starb am Ostermontag des vergangenen Jahres im Alter von 88 Jahren. Gänswein erlebte 2013 seine Wahl zum Oberhaupt von rund 1,4 Milliarden Katholiken aus nächster Nähe.











