Doch dort versammelten sich unter den 20, 30 Mitgliedern neben Schaulustigen auch vor allem Männer, denen es Spaß macht, Menschen zu mobben. Sie haben oft eine sehr nihilistische Weltsicht: Werte, Moralvorstellung und Autoritäten sind für sie vor allem ein Werkzeug, um damit andere zu triggern. In der Gruppe mit Weiß begannen die Mitglieder nach einiger Zeit, sich mit „Sieg“ und „Heil!“ zu begrüßen. Nicht, weil sie unbedingt Neonazis sind. Sie wollen Grenzen ausloten und überschreiten. Peter Weiß geriet in eine Spirale, der er nicht mehr entkam.
Seine Meister kalkulierten kühl, was sie taten, und stellten ihm zu ihrem Vergnügen immer abseitigere Aufgaben. In Videochats hatten sie mitgefilmt, wie er seinen Personalausweis in die Kamera hielt. Mit dem Material davon, was Weiß zuvor noch freiwillig getan hatte, forderten sie nun Handlungen von ihm, die er nicht tun wollte.
In seiner Post fand er auch den Koran, über dem er dann in einem Live-Videochat nackt posieren und den er besudeln sollte. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, bestellten seine Peiniger massenhaft Pizzas an seine Adresse, sendeten ihm ein gerade aufgenommenes Foto von seiner Arbeitsstelle und ließen ihn wissen, dass sie auch herausgefunden hätten, mit wem Weiß liiert sei. Er berichtete den Ermittlern, wie er in den Chats unter Druck gesetzt wurde: „Du machst, was wir sagen, wir haben dich an den Eiern.“ Er habe aufhören wollen, Ausreden gesucht, habe dann aber Nachrichten erhalten, er solle besser wieder in die Gruppe kommen.
Für Peter Weiß eskalierte die Lage, als er seine Kandidatur bei der Kommunalwahl in seiner Heimat auf Instagram postete. Das bekamen offenbar einige aus den Chatgruppen mit. Seine Peiniger hatten jetzt einen Grund, mit dem Material über ihn an die Öffentlichkeit zu gehen: Peter Weiß war aus ihrer Sicht zum Politiker geworden. Der Mann, der bis dato nur passives FDP-Mitglied war, hatte sich auf dem zweiten Listenplatz für die Stadtratswahl in einer Kreisstadt aufstellen lassen. Nichts, was jemanden zu einer prominenten Person macht, deren Privatleben an die Öffentlichkeit gezerrt werden darf.












