Bei dem Phänomen „El Niño“ erwärmt sich zunächst ein Bereich des Pazifiks in Äquatornähe. In den oberen 300 Metern der entscheidenden Pazifikregion stecke bereits jetzt viel Wärme, sagt Latif. „Da entwickelt sich alles lehrbuchmäßig. Aber dann gibt es immer noch diese zufälligen Windschwankungen, die in verschiedene Richtungen wirken können.“ Deswegen sei eine exakte Vorhersage schwierig.
Es könne sein, dass sich bis Weihnachten ein sehr starker „El Niño“ entwickelt habe, sagte Latif. Wenn er dieses Jahr nicht komme, dann vermutlich nächstes. „Die Wärme im Pazifik ist da. Die kriegen Sie nicht weg. Die kann tatsächlich nur über die Atmosphäre abtransportiert werden, was einen „El Niño“ bedeuten würde.“
„Die Auswirkungen eines ‚El Niño‘-Ereignisses auf Deutschland, Österreich und die Schweiz variieren stark, da ‚El Niño‘ insgesamt nur einen sehr schwachen Einfluss auf Europa hat“, sagt Daniela Domeisen von der ETH Zürich. „Das erklärt sich vor allem daraus, dass Europa nun mal sehr weit weg liegt vom tropischen Pazifik, und bis das Signal zu uns gelangt, wird es von vielen anderen atmosphärischen und ozeanischen Einflüssen gestört.“
Wenn überhaupt, rufe ‚El Niño‘ mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Situation hervor, „die eher kaltes und nasses Wetter zu uns bringt“, sagt Domeisen. „Eine solche Vorhersage zum jetzigen Zeitpunkt birgt aber noch sehr große Unsicherheiten, da noch nicht einmal klar ist, wie stark das Ereignis im tropischen Pazifik wird, geschweige denn, ob der Effekt bis zu uns gelangt.“
In aller Regel habe selbst ein starker ‚El Niño‘ keine direkten Auswirkungen auf das Wettergeschehen in Mitteleuropa, „die man von normalen Fluktuationen unterscheiden kann“, sagt Armin Bunde, Emeritus von der Universität Gießen, der selbst ‚El Niños‘ berechnet hat. „Indirekte Auswirkungen gibt es aber schon. So können schlechte Ernten im Pazifikraum zu höheren Preisen für Zucker, Kaffee und Kakao führen, die man dann natürlich auch bei uns spürt“, sagt Bunde.











