Einen Intimitätskoordinator braucht sie nicht. „Ich habe schon so viele Kolleginnen oder Kollegen für eine Szene küssen müssen. Intim ist eigentlich alles, egal, was man spielt. Das gehört einfach zum Beruf dazu“, sagt Vester. Bei dem Projekt auf Kreta habe man ihr den Service dennoch angeboten – sie lehnte ab. „Wir sind, glaube ich, aus dem Alter raus, wo uns intime Szenen vor der Kamera peinlich wären.“
Vester betritt mit ihrer queeren Rolle bei „Das Traumschiff“ kein Neuland. In „KDD – Kriminaldauerdienst“ spielte sie bereits eine lesbische Kommissarin – eine Erfahrung, die ihr bis heute viel bedeutet. „Dafür habe ich auch den Bayerischen Fernsehpreis bekommen, worauf ich sehr stolz bin. Also ich habe schon mit einigen Kolleginnen geknutscht“, sagt sie.
Auch ihre aktuelle lesbische Rolle bei „Das Traumschiff“ sieht sie positiv – trotz eher konservativer „Traumschiff“-Zuschauerschaft. „Ich hatte keine Bedenken, dass die Geschichte Teile des Publikums verschrecken könnte. Ich könnte mir eher vorstellen, dass die Leute das spannend finden. Ich glaube, Neugier überwiegt da“, betont Vester.
Die Botschaft der Beziehung zwischen Evelyn und Antonia war ihr von Anfang an wichtig. „Wo die Liebe hinfällt. Es ist doch vollkommen egal, wen man liebt“, so Vester. „Es ist schön, dass das ‚Traumschiff‘ eine solche Geschichte erzählt.“ Schon beim Lesen des Drehbuchs sei ihr klar gewesen, dass das ein ungewöhnliches Thema für das Format sei. „Und ich finde es ganz toll, dass solche Geschichten jetzt aufgenommen werden. Das zeigt auch eine Entwicklung im Erzählen.“
Besonders freut sie, dass das Liebespaar aus zwei älteren Frauen besteht. Vester ist 66, May bereits 74 Jahre alt. „Ich finde toll, dass wir eine queere Liebesgeschichte nicht zwischen zwei jungen, sondern zwischen zwei reiferen Frauen erzählen“, erklärt die Schauspielerin. Bei dieser Generation sei Homosexualität schlicht nicht selbstverständlich gewesen. Evelyns Weg – verdrängen, „normal“ heiraten, Kinder bekommen – mache die Geschichte vielschichtiger. Und Vester wünscht sich mehr davon: „Es gibt allgemein viel weniger Liebesgeschichten in Filmen oder im Fernsehen mit Menschen, die über 60 oder 70 sind. Das finde ich sehr schade, weil auch diese Menschen lieben.“












