Alkohol, Suizide und Gewalt
Mehrere Todesfälle in Tempelhofer Flüchtlingsunterkunft
02.04.2026 – 15:10 UhrLesedauer: 2 Min.
In der Notunterkunft auf dem Tempelhofer Flughafengelände sind mehrere Menschen gestorben. Nun sollen Maßnahmen greifen, die im Zweifel Leben retten.
In der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof sind mehrere Menschen gestorben – durch Alkoholvergiftung und durch Suizid.
Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) bestätigte die Vorfälle auf dpa-Anfrage. Im Jahr 2025 seien drei Geflüchtete nach einer Alkoholvergiftung gestorben, sagte ein LAF-Sprecher. Außerdem habe es zwei Suizide gegeben – einen 2025, einen weiteren 2026, beide außerhalb der Unterkunft. Im laufenden Jahr sei es zudem zu zwei Suizidversuchen gekommen. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ über die Vorfälle berichtet.
In der Unterkunft gebe es eine Gruppe von 50 bis 60 Menschen mit Alkoholproblemen, sagte der Sprecher. Es handle sich in der Regel um ältere Menschen mit einer längeren Missbrauchshistorie. Alkoholkonsum sei in der Unterkunft nicht erlaubt – außerhalb des Geländes aber nicht kontrollierbar. Bei Auseinandersetzungen sei oft Alkohol im Spiel: „Wir reden hier über harten Alkohol“, so der Sprecher.
Im Durchschnitt komme es einmal im Monat zu schwerwiegenden Vorfällen, die direkt ans LAF gemeldet werden – etwa beim Einsatz eines Messers, sagte der LAF-Sprecher. Derzeit sind nach seinen Angaben rund 1.050 Menschen in Containern in den Hangars und davor untergebracht. Auf demselben Gelände befinden sich zusätzlich sogenannte Tempohomes – Wohncontaineranlagen – mit rund 775 weiteren Geflüchteten.
Berlins Senatorin für Arbeit, Soziales und Integration, Cansel Kiziltepe (SPD), räumte auf dpa-Anfrage ein, dass Notunterkünfte wie in den Tempelhofer Hangars keine guten Voraussetzungen für Integration böten. Die Einrichtung könne aktuell nicht geschlossen werden. Alle Vorfälle würden dokumentiert und konsequent aufgearbeitet, versicherte sie.
Als Reaktion seien mehrere Maßnahmen umgesetzt worden, wie Kiziltepe mitteilte. Mehr Beschäftigte, die Russisch und Ukrainisch sprechen, seien eingestellt worden. Es gebe aufsuchende Beratung für Menschen mit Alkoholproblemen. Mehr in der Ukraine ausgebildete Psychologen und Psychotherapeuten seien im Einsatz, um Menschen mit Traumata zu unterstützen. Die maximale Belegung pro Container sei von vier auf drei Personen reduziert worden.












