Ronald Koeman ist bereits zum zweiten Mal Bondscoach der Niederlande. Bereits zwischen 2018 und 2020 stand er für sein Land an der Seitenlinie. Koeman hat als Spieler bei allen großen niederländischen Vereinen gespielt, zudem lange beim FC Barcelona. Auch als Trainer kam Koeman herum: Amsterdam, Lissabon, Eindhoven, Valencia, Rotterdam, Southampton, Everton und Barcelona waren seine Stationen. An seiner Seite arbeitet sein Bruder Erwin Koeman als Assistent, eng eingebunden in Trainingsarbeit, Vorbereitung und Analyse.
Mit Deutschland verbindet Koeman eine ganz besondere Rivalität. Er war Libero der niederländischen Nationalmannschaft der späten 80er- und frühen 90er-Jahre, die sich mit dem DFB-Team hitzige Schlachten lieferte. Bei der Euro 1988 in Deutschland warf Holland den Gastgeber im Halbfinale aus dem Turnier und holte später den Titel im Land des Erzrivalen. Nach dem Halbfinal-Triumph wischte sich Koeman mit einem Trikot der Deutschen vor der Tribüne den Allerwertesten ab. 1990 dagegen schied er bei der WM in Italien gegen die deutsche Mannschaft rund um Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme im Achtelfinale aus.
„Totaalvoetbal“ – jahrzehntelang war „der totale Fußball“ die einzige in den Niederlanden akzeptierte Art, das Spiel zu spielen: Ständige Positionswechsel innerhalb eines 4-3-3-Systems und hohes Pressing machten den niederländischen Fußball attraktiv. Die ganz großen Titel blieben trotzdem selten, zum WM-Triumph reichte es nie.
Nachdem seine Vorgänger Frank de Boer und Louis van Gaal mit anderen Systemen experimentiert hatten (und gescheitert waren), hat Koeman das 4-3-3 zurückgebracht, aber neu interpretiert: Die Außenverteidiger schieben kontrolliert nach, das Zentrum bleibt stabil besetzt. Statt permanenter Positionswechsel setzt das Team auf klare Raumaufteilung, gezielte Tempowechsel und strukturiertes Pressing. Vor allem gegen defensive Gegner spielt Holland so erfolgreich, ist aber anfällig, wenn der Gegner früh und hoch anläuft.
Die Niederlande zählen zu den konstantesten WM-Teilnehmern Europas, warten jedoch weiterhin auf ihren ersten Titel. Dreimal stand die „Elftal“ im Finale, jedes Mal blieb am Ende Platz zwei: 1974 in Deutschland, 1978 in Argentinien und 2010 in Südafrika. Besonders das Endspiel von Johannesburg gegen Spanien, entschieden in der Verlängerung, gilt als eines der prägendsten Spiele der niederländischen WM-Geschichte.
2018 verpassten sie das Turnier. Bei der WM 2022 in Katar scheiterte „Oranje“ im Viertelfinale im Elfmeterschießen an Argentinien. Die Bilanz zeigt: Die Niederlande sind bei Weltmeisterschaften fast immer ein Faktor – für den ganz großen Wurf aber hat es nie gereicht.
„Oranje“ verweist auf die Nationalfarbe, die mit dem Königshaus Oranien verbunden ist. „Elftal“ bedeutet „Elf“ und steht als Kurzform für die Nationalmannschaft.











