Katherina Reiche warnt vor einem möglichen Spritmangel. Und zeigt damit, dass sie Krisenkommunikation nicht beherrscht.
In einer global angespannten Lage darf Politik nicht beschwichtigen, wenn Gefahren drohen. Wer früh warnt, gibt Wirtschaft und Gesellschaft die Chance, sich vorzubereiten. Insofern ist Reiches Hinweis grundsätzlich legitim. Aber zwischen legitimer Warnung und Angst auslösender Krisenkommunikation gibt es einen großen Unterschied: Reiches Auftritt in Texas ist eher ein Beispiel für Letztere.
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Reiche beschrieb dort nämlich ein Szenario, ohne ausreichend einzuordnen, wie wahrscheinlich es ist oder welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden, damit Autofahrer im Frühjahr nicht ohne Sprit bleiben. Für viele Menschen bleibt am Ende nur hängen: „Sprit könnte knapp werden.“ Das ist keine differenzierte Information, sondern führt zu Verunsicherung.
Dabei ist es ihre Aufgabe als Ministerin, genau solche Engpässe zu verhindern und konkrete Strategien dagegen aufzuzeigen. Dazu aber sagte sie nichts. Zu ihrer Verantwortung oder ihren möglichen Maßnahmen blieb sie auffällig still. Weder benannte sie Maßnahmen, wie die Versorgung gesichert werden kann, noch zeigte sie Perspektiven auf.
Reiche tut so, als sei es naturgegeben, wenn an deutschen Tankstellen irgendwann „Ausverkauft“-Schilder hängen, sollte die Straße von Hormus weiter blockiert sein.
Und es sei nur nebenbei einmal erwähnt, dass ihr viel gescholtener Vorgänger Robert Habeck das Ende der russischen Gaslieferung nicht einfach nur hinnahm, sondern sehr zügig mit dem Bau von Flüssiggas-Terminals begann. Diese Hands-on-Mentalität geht Reiche völlig ab.
Hinzu kommt, dass solche Aussagen reale Folgen haben können. Märkte reagieren sensibel auf politische Signale, Verbraucher ebenso. Wer Knappheit in Aussicht stellt, riskiert, sie zumindest teilweise selbst mit herbeizureden – durch steigende Preise oder vorsorglich erhöhte Nachfrage. Damit wird aus einer Warnung schnell ein selbstverstärkender Effekt.
Sollte die Wirtschaftsministerin so weitermachen und nur Panik und Angst verbreiten, ist bereits absehbar, dass trotz der ohnehin schon teuren Spritpreise Hamsterkäufe an Tankstellen die Folge sein werden, was die Preise weiter nach oben treiben würde.
Politische Kommunikation muss in Krisenlagen besonders verantwortungsvoll sein: nicht nur informieren, sondern auch einordnen und stabilisieren. Wer dieses Gleichgewicht nicht wahrt, gefährdet Vertrauen – und dieses ist in Krisenzeiten mindestens so wertvoll wie jeder Liter Benzin.












