Beobachtungen zeigen
Abnehmspritzen könnten Patienten bei weiterer Krankheit helfen
25.03.2026 – 11:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Sogenannte GLP-1-Agonisten (Abnehmspritzen) sollen den Blutzuckerspiegel senken. Doch nun zeigt sich ein zusätzlicher Effekt. Patienten profitieren offenbar auch psychisch.
Medikamente gegen Diabetes und Adipositas könnten mehr leisten als bisher gedacht. Eine große Studie zeigt: Sie stehen offenbar auch mit positiven Auswirkungen auf psychische Erkrankungen in Verbindung. Das berichten Forscher der University of Eastern Finland, des Karolinska Institutet in Stockholm und der Griffith University in Australien. Sie haben untersucht, wie sogenannte GLP-1-Medikamente die psychische Gesundheit beeinflussen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich im Fachjournal „The Lancet Psychiatry“.
Für ihre Analyse werteten die Forscher Daten von rund 100.000 Menschen aus Schweden aus. Alle Teilnehmer litten an Depressionen oder Angststörungen und erhielten Medikamente gegen Diabetes. Mehr als 20.000 von ihnen nahmen GLP-1-Wirkstoffe wie Semaglutid oder Ozempic ein. Die Wissenschaftler verfolgten ihre Gesundheitsdaten über einen Zeitraum von 14 Jahren.
Das Ergebnis: Während der Phasen, in denen die Patienten das GLP-1-Medikament Semaglutid einnahmen, benötigten sie deutlich seltener psychiatrische Behandlungen oder meldeten sich seltener krank. Insgesamt sank das Risiko um 42 Prozent im Vergleich zu Zeiträumen ohne diese Medikamente.
Auch andere GLP-1-Wirkstoffe zeigten solche Effekte, allerdings schwächer. Liraglutid etwa senkte das Risiko für psychische Probleme um 18 Prozent. Für die Wirkstoffe Exenatid und Dulaglutid fanden die Forscher keinen klaren Zusammenhang.
Warum die Diabetesmedikamente auch die Psyche beeinflussen können, bleibt unklar. Die Forscher haben dafür mehrere Erklärungen. So könnten ein Gewichtsverlust oder eine bessere Blutzuckerkontrolle das Wohlbefinden steigern.
Darüber hinaus diskutieren Experten direkte Effekte im Gehirn. Dabei geht es um das sogenannte Belohnungssystem, also Strukturen, die Gefühle, Motivation und Verhalten steuern. Veränderungen in diesem System könnten Stimmungen und Ängste beeinflussen. Zusätzlich beobachteten die Wissenschaftler, dass GLP-1-Medikamente mit einem geringeren Risiko für selbstschädigendes Verhalten verbunden waren.
Trotz der deutlichen Ergebnisse bleibt eine wichtige Einschränkung: Die Studie zeigt nur Zusammenhänge, keine Ursache. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Dabei werten Forscher vorhandene Daten aus, ohne gezielt in die Behandlung einzugreifen. Ob die Medikamente tatsächlich direkt Depressionen oder Angststörungen lindern, müssen zukünftige Untersuchungen klären.











