Nach jahrelangem Versteckspiel
U19-Trainer von Bundesligisten outet sich als homosexuell
25.03.2026 – 05:17 UhrLesedauer: 3 Min.
St. Paulis U19-Trainer Dobrick outet sich öffentlich als schwul – und sagt, was ihn bisher so viel Kraft kostete, dass die Karriere litt.
Christian Dobrick, U19-Trainer des FC St. Pauli, hat sich öffentlich als homosexuell geoutet – und seine Offenbarung mit scharfer Kritik am Männer-Spitzenfußball verbunden. „Im Profifußball gelten Schwule noch immer als Außerirdische“, sagte der 29-Jährige in Interviews mit dem Stern und RTL.
Der gebürtige Flensburger, der seit Sommer 2025 im Nachwuchsbereich des Hamburger Bundesligisten arbeitet, schilderte, wie ihn das jahrelange Verschweigen seiner sexuellen Orientierung zermürbt habe. „Dieses Versteckspiel hat mich zu viel Kraft gekostet“, sagte Dobrick. Oftmals habe er „Wortakrobatik“ und einen „rhetorischen Eiertanz“ aufführen müssen, um sein Leben als schwuler Mann zu kaschieren – Energie, „die man eigentlich in den Beruf und den Sport investieren“ hätte können.
Dobrick glaubt nicht, dass er im Fußball ein Einzelfall ist – wohl aber, dass die Verhältnisse im Profifußball das Thema systematisch verdrängen. „Was den Profibereich betrifft, vermute ich, dass es dort deutlich weniger Schwule gibt als im Bevölkerungsdurchschnitt. Weil der Druck in der Branche so groß ist, ein hetero-normatives Leben zu führen. Es kommen weniger schwule Fußballer ganz oben an, weil sie ihre Energie verschwenden müssen für Probleme, die nichts mit dem Sport zu tun haben.“
Tatsächlich gilt Homosexualität im Männer-Profifußball noch immer als weitgehendes Tabuthema. In den höchsten drei deutschen Ligen hat sich bislang kein aktiver Profi öffentlich geoutet – obwohl Fanvertreter seit Jahren für einen offeneren Umgang werben. Im Frauenfußball dagegen spielt die sexuelle Orientierung einer Spielerin längst keine Rolle mehr.
Dobrick selbst war sich nach eigenen Worten „lange unsicher“, ob er sich mit seinem Bekenntnis die Karriere verbaue. Er wolle irgendwann im Profibereich arbeiten – und sei sich über die Folgen seines Coming-outs weiterhin nicht vollständig im Klaren. Den Schritt dennoch zu wagen, habe er sich auch durch eine Begegnung mit Jürgen Klopp ermutigt gefühlt. Bei einem Treffen mit Salzburger Nachwuchstrainern – Dobrick war zuvor für RB Salzburg, die TSG Hoffenheim und Holstein Kiel tätig – habe der frühere Bundesliga- und Liverpool-Coach gesagt: „Du kannst als Trainer sein, wer du willst, aber du musst für etwas stehen. Du musst du selbst sein.“ Dieser Satz sei das Motto für sein Berufsleben geworden.
Der FC St. Pauli reagierte prompt und unterstützend – sowohl offiziell als auch auf Instagram. „Unser U19-Trainer Christian Dobrick hat in einem Interview seine Homosexualität öffentlich gemacht. Als FC St. Pauli stehen wir selbstverständlich hinter ihm und seinem Coming-out. Denn eigentlich ist es ganz einfach und sollte für alle gelten: Lieb‘ doch, wen du willst!“, schrieb der Verein in den sozialen Medien – versehen mit dem Hashtag #liebdochwenduwillst. Dazu teilte der Verein ein Bild mit dem Schriftzug „Nur die Liebe zählt“. Präsident Oke Göttlich habe Dobrick bereits persönlich seine Unterstützung zugesagt.












