Lit.Cologne
Salman Rushdie spricht über den Tod – das Publikum lacht
20.03.2026 – 21:04 UhrLesedauer: 2 Min.

Salman Rushdie spricht bei der Lit.Cologne über sein neuestes Buch. Darin geht es um den Tod – dem der Schriftsteller selbst von der Schippe gesprungen ist.
Im Rahmen der Lit.Cologne kam am Freitag auch der weltbekannte Schriftsteller Salman Rushdie nach Köln. Im WDR-Funkhaus präsentierte Rushdie sein neuestes Buch. Das geschah unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: Kugelschreiber durften nicht mit in den Saal genommen, Besucher wurden beim Einlass mit Körperscannern kontrolliert.
Das Prozedere ist berechtigt: Im Jahr 1989 rief der damalige religiöse Führer des Iran, Ajatollah Ruhollah Chomeini, zur Tötung des britisch-indischen Schriftstellers auf. Der Ajatollah sah Rushdies Werk „Die satanischen Verse“ als Gotteslästerung auf, die Fatwa gegen den Autor wurde nie vollständig aufgehoben. 2022 wurde Rushdie bei einer Veranstaltung in New York von einem Islamisten mit einem Messer attackiert, verlor bei dem Attentat ein Auge.
Rushdies Erzählband „Die elfte Stunde“ umfasst fünf Geschichten, in denen es um die Vergänglichkeit und den Tod geht – eben um die sprichwörtliche „elfte Stunde“, den letzten Abschnitt des Lebens. Eine Geschichte handelt von zwei alten Männern, Nachbarn im pausenlosen Streitgespräch miteinander. Bis der Jüngere der beiden von einer Vespa erfasst und tödlich verletzt wird. Dem Verbliebenen drängt sich die Frage auf, warum er selbst noch am Leben ist.
Moderator und Übersetzer Bernhard Robben will von Rushdie wissen, ob auch er sich das nach dem Attentat auf ihn gefragt hat. Ob er sich die Frage stellte, warum er überlebt hat. „Ich hatte großes Glück, noch zu leben“, sagt Rushdie. Seine Verletzungen seien so schwer gewesen, dass auch die Ärzte im Krankenhaus nicht davon ausgegangen seien, sein Leben retten zu können. „Wenn du eine zweite Chance erhältst, ist die Frage, wie du diese nutzen willst“, so Rushdie weiter. Die Antwort auf diese Frage aber suche er noch immer jeden Tag.
Andere Antworten Rushdies erfolgen blitzschnell – wortgewandt und humorvoll beantwortet er die Fragen von Moderator Bernhard Robben, die sich ebenfalls viel um den Themenkomplex von Vergänglichkeit und Tod drehen. Doch bei aller Ernsthaftigkeit verliert Rushdie nicht seinen Witz. Als was er wieder geboren werden will, wenn sein Leben vorbei ist, will Robben von dem Schriftsteller wissen. Der muss nicht lange überlegen: „Als Ferrari“, sagt Rushdie und löst lautes Gelächter im Publikum aus. Weder Mordanschlag noch jahrzehntelanger Polizeischutz und Todesangst haben seinem Humor geschadet.
Doch wie würde Rushdie sterben wollen, könnte er sich das aussuchen, fragt Robben. Rushdie lächelt verschmitzt, hebt das Mikrofon an seine Lippen. „Ich würde bevorzugen, überhaupt nicht zu sterben“, sagt er.










