Erde als Heilmittel
14-Jähriger stirbt an Krebs: Schwere Vorwürfe gegen Eltern
Aktualisiert am 19.03.2026 – 14:41 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein 14-Jähriger erkrankt in Italien an Krebs. Seine Eltern wenden sich an einen Wunderheiler. Der Junge stirbt. Jetzt spricht die Mutter vor Gericht.
In Italien muss sich ein Ehepaar wegen Mordes vor Gericht verantworten, nachdem der gemeinsame 14-jährige Sohn an Krebs gestorben ist. Den Eltern wird vorgeworfen, dem Jungen eine adäquate Behandlung verwehrt zu haben. Am Dienstag hat sich die Mutter im Gerichtssaal in Vincenza geäußert und Reue gezeigt. „Ich würde ihn nie wieder so behandeln lassen“, sagte sie laut übereinstimmenden Medienberichten.
Der Fall reicht bis ins Jahr 2022 zurück. Der 14-jährige Francesco klagte damals plötzlich über Schmerzen im Bein. Seine Eltern brachten ihn ins Krankenhaus, wo Knochenkrebs diagnostiziert wurde. Die Ärzte stellten einen Tumor im Oberschenkel fest. Doch seine Eltern sollen laut „La Repubblica“ eine herkömmliche Krebstherapie abgelehnt haben. Auch die verschriebenen Medikamente sollen sie ihm nicht verabreicht haben. Stattdessen hätten sie Hilfe bei einem Arzt gesucht, der nach der sogenannten Hamer-Methode praktizierte.
Die Methode geht auf den bis 2017 lebenden deutschen Arzt Ryke Geerd Hamer zurück, der davon überzeugt war, traumatische Erlebnisse und eine damit einhergehende Änderung der Psyche würden Krebserkrankungen auslösen. Konservative Behandlungen wie Chemo- oder Strahlentherapie lehnte er ab. 1986 wurde ihm seine Approbation entzogen.
In einer Veröffentlichung der Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft aus dem Jahr 2024 heißt es: Bei den Behandlungsmethoden von Hamer handele es sich um „eine in der Biographie und Träumen von Herrn Hamer begründete Theorie ohne wissenschaftliche oder empirische Begründung“. Das Vertrauen auf die Heilungskräfte verhindere, „dass Patienten eine für sie angemessene, je nach Tumorsituation kurative oder palliative Therapie bekommen“.
So soll es auch im Fall des 14-jährigen Francesco aus Italien gewesen sein. Laut „La Repubblica“ sollen die Eltern ihrem schwer kranken Sohn unter anderem Heilerde-Kompressen angelegt haben. Für den Teenager habe eine mehrjährige Leidenszeit begonnen, in der die Eltern immer wieder neue Behandlungsmethoden ausprobiert hätten.
Vor Gericht sagte die Mutter nun aus, sie habe den Krankenhausaufenthalt ihres Sohnes auch deshalb abgebrochen, weil sich der 14-Jährige nicht wohlgefühlt habe. „Das Essen war furchtbar, Francesco geriet in eine Krise“, sagte sie laut „Corriere del Veneto“. Der nach der Hamer-Methode arbeitende Mediziner habe die geplante Therapie zudem als riskant beschrieben. Er habe den Eltern Hoffnung gemacht, wenn sie seinen Methoden folgten. „Er hat uns überzeugt, dass er wieder gesund werden würde“, sagte sie.










