„Früher war alles besser“ ist in diesen bewegten Zeiten ein beliebter Reflex, wenn es um tiefgreifende Veränderungen geht. So natürlich auch in der Formel 1. Aber auch hier wie in anderen Fällen gibt es einen Unterschied zwischen Wahrheit und gefühlter Wahrheit. Denn wer behauptet, in seligen Zeiten der „Königsklasse“ mit komplett fossil betriebenen Motoren sei doch alles viel spektakulärer, viel spannender, viel mehr „echtes Racing“ gewesen, der blendet aus, dass auch zur Hochzeit von Michael Schumacher um die Jahrtausendwende Rennen taktisch unbeweglich bis starr verliefen: ohne Spannung, ohne Nervenkitzel.
„Früher war alles besser“ wollen auch die Macher der Formel 1 nicht hören, legen sie doch seit der Übernahme durch den US-Konzern Liberty Media verstärkt den Fokus auf Show, auf Entertainment. 125 Überholmanöver gab es beim Saisonstart in Melbourne, ein Vielfaches der üblichen Zahl. 43 Prozent der Fans sind laut einer Erhebung 35 Jahre oder jünger. Die Social-Media-Generation will Spektakel.
Da muss auch die Kritik der Fahrer hinten anstehen. Nicht ohne Grund sind Weltmeister Lando Norris und Max Verstappen aktuell die lautesten Zweifler, beide tun sich in den veränderten Boliden schwer. Allerdings muss Fahrern dieses begnadeten Kalibers zuzumuten sein, sich auch mit diesen neuen Autos nach einer Eingewöhnungsphase zurechtzufinden.
Viele erinnern sich noch an die Zeit, als das lebensrettende „Halo“-Sicherheitssystem 2018 verpflichtend für alle Autos wurde. Auch da mäkelten nicht wenige Piloten ernsthaft über vermeintliche Sichtbehinderungen oder erschwerte Bergungen verunfallter Fahrer. Mittlerweile ist der „Heiligenschein“ unumstritten, verhinderte schon mehrfach schwerste Verletzungen.
Und nun soll die Formel 1 zurück in die kraftstoffgetriebene, ressourcenfeindliche Steinzeit, nur weil sich ein paar Fahrer schwertun? Das wäre eine Bankrotterklärung.
„Früher war alles besser“? Von wegen – die Formel 1 war schon immer auch eine Art Feldstudie für die Autoindustrie. Was hier funktioniert, kann früher oder später auch seinen Weg in den Pkw auf der Straße finden. Auch damit rechtfertigen die großen Autobauer ihre teuren Engagements im Aushängeschild des Motorsports.
Sie wissen: Die Zukunft des Autos ist elektrisch – auch deshalb die Umstellung auf 50 Prozent Verbrenner und 50 Prozent Elektro. Bis 2030 will die Rennserie klimaneutral sein. Es gibt kein Zurück mehr.











