Neue Studie
Diskriminiert in Deutschland: Was EU-Bürger hier erleben
Aktualisiert am 03.03.2026 – 14:26 UhrLesedauer: 3 Min.
Im aktuellen Streit um Integrationskurse geht es auch um Millionen Menschen aus anderen EU-Staaten. Sie kommen zum Arbeiten – und landen hier oft in einer Sackgasse.
Viele Menschen aus anderen EU-Staaten suchen in Deutschland eine Arbeits- und Lebensperspektive. Doch oft landen sie einer neuen Studie zufolge hier in einer Sackgasse. Erstmals seit 15 Jahren war der Wegzug aus Deutschland zuletzt größer als der Zuzug. Was steckt dahinter? Aufschluss gibt eine neue, großangelegte Untersuchung im Auftrag der Bundesregierung. Neuen Zündstoff liefert sie auch im aktuellen Streit um Kürzungspläne bei den Integrationskursen – ein Überblick:
Zuletzt waren es etwa 5,1 Millionen Menschen (Ende 2023) – 37 Prozent der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland. Bis 2017 waren Südeuropäerinnen und -europäer in der Mehrheit, seit 2018 sind es die Menschen aus Südosteuropa. Allein 910.000 Menschen haben die rumänische Staatsangehörigkeit. Mit 888.000 Personen sind die Polen die zweitgrößte Gruppe. Es folgen Italien, Bulgarien und Kroatien.
Seit Jahren war die Gruppe der EU-Bürgerinnen und -Bürger unterm Strich gewachsen. Das hat sich nun geändert. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Integration sowie für Antirassismus, Natalie Pawlik (SPD), stellt fest, „dass wir seit 2024 mehr Abwanderung als Zuwanderung von EU Beschäftigten haben“. Die Experten sprechen von einem negativen Abwanderungssaldo von rund 34.000 Personen. In einer Befragung der Forscher denkt rund ein Drittel der Befragten über Abwanderung nach.
Hauptmotive der Abwanderung sind der Studie zufolge hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten – aber auch mangelndes Gefühl der Zugehörigkeit in Deutschland. Für die Studie waren unter anderem Ausländerinnen und -Ausländer aus anderen EU-Staaten in sozialen Netzwerken ausfindig gemacht und befragt worden, da die Datenlage eine klassische repräsentative Umfrage nicht erlaubte. Diskriminierung oder Arbeitslosigkeit spielen eine Rolle.
2,7 Millionen EU-Bürgerinnen und EU-Bürger sind in Deutschland erwerbstätig, 1,7 Millionen davon aus ost- und südosteuropäischen Ländern. Doch bei weitem nicht immer verbergen sich hinter diesen Zahlen Erfolgsgeschichten. Laut der neuen Studie stecken viele in schlecht bezahlten Jobs ohne besondere Anforderungen fest, sei es Reinigung, Transport oder anderes. „Viele sind gewissermaßen gefangen in Helferbereichen“, sagt Studienleiter Bernhard Boockmann von der Uni Tübingen. Neu in Deutschland ist oft das Wichtigste, überhaupt einen Job zu bekommen. Wenn die Menschen es dann verpassen, Deutsch zu lernen und sich weiterzuqualifizieren, „kann sich das verfestigen“.
Als durchaus typisch zitiert die 270-Seiten-Studie eine Bulgarin: „Das ist immer der Subtext: Sie schicken mich weg, weil ich Bulgarin bin, weil ich Roma bin, weil ich eine andere Hautfarbe habe.“ Die Studienautoren des Tübinger Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung stellen fest: „Diskriminierungserfahrungen prägen für viele EU-Bürgerinnen den Integrationsprozess in Deutschland.“ Ob in Behörden, bei der Wohnungssuche oder im Alltag: Menschen aus Rumänien und Bulgarien sowie Sinti und Roma seien besonders betroffen. Betroffene bekämen „Antislawismus und Antiziganismus“ in Deutschland zu spüren.











