„Sozialpolitische Dummheit“
Ökonom rechnet mit Rente mit 63 ab
Aktualisiert am 03.03.2026 – 11:33 UhrLesedauer: 3 Min.
Beamte in die gesetzliche Rente? Der Ökonom Axel Börsch-Supan hält das für „sehr sinnvoll“ und kritisiert die Haltelinie beim Rentenniveau.
Der Ökonom und Rentenexperte Axel Börsch-Supan fordert eine Rückkehr zu früheren Reformprinzipien in der Rentenpolitik und spricht sich dafür aus, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Die derzeitige Festschreibung des Rentenniveaus hält er für „völlig unangemessen“. Das sagte der langjährige Direktor des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ).
Das sogenannte Rentenniveau – aktuell bei 48 Prozent bis 2031 festgeschrieben – werde häufig missverstanden, so Börsch-Supan. Es handle sich dabei nicht um den individuellen Rentenanspruch im Verhältnis zum letzten Gehalt, sondern um eine statistische Kennzahl: „Es ist eine statistische Größe, bei der die durchschnittliche Rente durch den durchschnittlichen Lohn geteilt wird“, sagte er der „SZ“.
Die politische Fixierung auf die sogenannte Haltelinie kritisiert der Ökonom deutlich. In einer Wirtschaft, die stark unter dem demografischen Wandel leide, könne man „nicht so tun, als wäre nichts passiert“, sagte Börsch-Supan. Statt die Renten „zu betonieren“, müsse man die jährlichen Rentenerhöhungen etwas dämpfen, damit die Beiträge nicht stark steigen. Es gehe ausdrücklich nicht um Kürzungen, sondern darum, die Dynamik leicht zu reduzieren.
Den immer wieder diskutierten Vorschlag, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, hält Börsch-Supan hingegen für „sehr sinnvoll“. Zum einen sollten Staatsdiener verstehen, wie das System funktioniere, für das sie politisch Verantwortung tragen. Zum anderen gebe es in der Gesellschaft „ein dauerndes Gefühl“, dass die unterschiedliche Behandlung ungerecht sei, und dieses Gefühl solle man ernst nehmen.
Besonders scharf fällt seine Kritik an der Altersrente für besonders langjährig Versicherte aus. Diese wird auch „Rente mit 63“ genannt, obwohl man inzwischen älter sein muss, um sie erhalten zu können. Frührenten machten inzwischen rund 60 Prozent aller Altersrenten aus. Die reguläre Altersrente sei seltener geworden als die vorgezogene. „Das ist natürlich ein Unding“, sagte Börsch-Supan der „SZ“.
Vor allem die „Rente mit 63“ sei „nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine sozialpolitische Dummheit“. Sie komme keineswegs vorrangig gesundheitlich angeschlagenen Geringverdienern zugute. Im Gegenteil profitierten überdurchschnittlich gut verdienende und gesunde Beschäftigte.
Eine weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenalters über 67 hinaus hält er derzeit nicht für nötig. Die Rente mit 67 sei sinnvoll gewesen, ebenso der Nachhaltigkeitsfaktor, der demografische Lasten zwischen Jung und Alt verteile und durch die aktuelle Haltelinie außer Kraft gesetzt ist. Nach Börsch-Supans Berechnungen wäre eine Rente mit 68 „erst Anfang bis Mitte der 2040er-Jahre“ erforderlich. Grundsätzlich müsse das Rentenalter langfristig etwa alle 13 Jahre um ein Jahr steigen.












