
Eingebaute Lebensgefahr
Tram-Unfälle: Forscher warnt vor tödlichem Fehler
12.02.2026 – 17:12 UhrLesedauer: 2 Min.
Sie wiegt Tonnen, bremst deutlich schlechter als ein Lkw – doch ihr Warnsignal klingt wie ein Fahrradklingeln. Deshalb sterben jedes Jahr Dutzende Menschen. Ein Unfallforscher fordert deshalb eine radikale Umrüstung.
Ein helles Läuten, dann der Aufprall: Was psychologisch oft als harmloses Signal wahrgenommen wird, kann den Beginn einer Katastrophe markieren. Doch das ließe sich ändern, sagt Deutschlands renommiertester Unfallforscher der Zeitschrift „Auto Motor und Sport“.
„Andere Verkehrsteilnehmer nehmen eine Hupe eher als echte Gefahr wahr“, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung bei der Björn Steiger Stiftung. Das klassische Klingeln – ein Konstruktionsfehler mit Ansage. Sein Urteil: Das schwache Signal reicht nicht mehr aus. Ein durchdringendes Horn muss her.
Denn die Zahlen sind seit Jahren auf einem hohen Niveau: Jährlich registrieren die Behörden mehr als 1.100 Unfälle mit Straßenbahnen. Allein im Jahr 2024 verloren dabei 40 Menschen ihr Leben.
Das Hauptproblem ist die physikalische Trägheit. Eine Bahn, die mit 50 km/h fährt, benötigt bei einer Notbremsung einen Anhalteweg von rund 55 Metern. Das entspricht der Länge von fünf hintereinanderstehenden Linienbussen. Ein Pkw hingegen steht bei gleicher Geschwindigkeit bereits nach einem Bruchteil dieser Strecke.
Grund dafür ist die geringe Reibung zwischen Stahl und Schiene. Dadurch gleitet die Bahn bei normaler Fahrt mit möglichst geringem Widerstand. Bei Gefahr wird das jedoch zum Nachteil.
Neben dem lauten Warnsignal setzt Brockmann auf bauliche Lösungen: sogenannte Z-Gitter. Diese Geländer zwingen Fußgänger an Übergängen in einen Slalom. Wer die Gleise queren will, muss seinen Körper eindrehen und blickt der herannahenden Bahn damit zwangsläufig entgegen.
Zudem fordert Brockmann das Ende einer alten Ampel-Falle: Autos und Bahnen dürfen niemals gleichzeitig Grün haben, wenn ihre Wege sich kreuzen. Sein Ziel für die Stadtplanung: Schiene und Straße brauchen eigene Wege. Denn wo sie sich nicht mehr kreuzen, bleibt der Knall aus.











