
„Das ist es einfach nicht wert“
Zugchef verrät, was bei aggressiven Schwarzfahrern passiert
11.02.2026 – 10:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters spricht ein Zugchef aus Berlin über den Umgang mit aggressiven Fahrgästen ohne Ticket. Seine Aussage überrascht.
Ein Zugchef hat offen eingeräumt, dass sein Team aggressive Schwarzfahrer in Ausnahmefällen einfach weiterfahren lässt. „Ist jemand aggressiv, kann es in Ausnahmefällen das Beste sein, ihn weiterfahren zu lassen“, sagte Lasse Stolley dem Berliner „Tagesspiegel“. „Wir riskieren keine Angriffe oder körperliche Schäden wegen eines Tickets. Das ist es einfach nicht wert.“
Stolley ist 19 Jahre alt und hat gerade seine Ausbildung zum Zugchef absolviert. Er arbeitet bei einem privaten Unternehmen, das einspringt, wenn Regionalzüge ausfallen. Bekannt wurde er, weil er drei Jahre lang als Besitzer einer Bahncard 100 quasi in Zügen wohnte und täglich durch die Republik gondelte. Seit 2025 hat er wieder einen festen Wohnsitz.
Normalerweise sei die Ticketkontrolle unproblematisch, schilderte er: Fahrgäste ohne Ticket müssten ihren Ausweis vorzeigen, der Vorfall werde aufgenommen, die Person dürfe weiterfahren. Schwieriger werde es ohne Ausweis – dann müsste eigentlich die Polizei gerufen werden. Das sorge jedoch für Verspätungen, die mehr kosteten als ein einzelner nicht gezahlter Fahrpreis. In der Regel werde der Fahrgast daher beim nächsten Halt des Zuges verwiesen.
Doch auch das funktioniere nicht immer. Wenn eine Situation zu eskalieren drohe, lasse sein Team den Fahrgast im Zweifel weiterfahren.
Die Stimmung in deutschen Zügen sei angespannt und verschärfe sich „von Jahr zu Jahr“, sagte Stolley. „Fahrgäste reagieren schon auf Kleinigkeiten aggressiv, werden ausfallend.“ Einen Grund sieht er in wachsendem Egoismus: Viele fühlten sich persönlich angegriffen, wenn die Bahn Verspätung habe. Gleichzeitig sei das Personal genauso machtlos wie die Fahrgäste selbst. „Das Eisenbahnsystem ist marode, da ist so etwas unvermeidlich.“










