
Beim Akustik-Konzert in Berlin beweist Herbert Grönemeyer, was für ein fantastischer Musiker er ist. Und er zeigt, dass ihm Haltung und Rückgrat wichtig sind.
Herbert Grönemeyer ist eine Ikone der deutschen Popmusik. Rau, verletzlich, eigenwillig, spielfreudig, mitreißend – dafür lieben ihn seine Fans. Auf der Bühne steuert er sein Publikum von gemeinsamer Melancholie zu kollektiver Ekstase zu. Bei seiner „mittendrin – akustisch“-Tour schlägt er ruhigere Töne an, so denkt man, und weiß die Zuhörer doch mitzureißen.
In Berlin steht der Musiker besonders oft auf der Bühne: In den vergangenen Jahren spielte er mehrfach auf der Waldbühne, in der Mercedes-Benz-Arena und zuletzt auch im Velodrom. Dort stellte er erst im November in zwei ausverkauften Shows seine Songs in neuen Unplugged-Arrangements vor. Grönemeyer lebt seit über 30 Jahren in der Hauptstadt. In Berlin ist er besonders aufgeregt, wird er später sagen.
In der Uber Arena betritt Grönemeyer am Montagabend um 20.07 Uhr die 360-Grad-Bühne, die sich in der Mitte der Halle befindet. Er steht in der Mitte der Plattform, um ihn herum sind die Musiker des Orchesters aufgereiht, das ihn an diesem Abend begleitet.
In einer A-Capella-Version seiner Ballade „Unfassbarer Grund“ bereitet er seine Fans auf den ungewöhnlichen Abend vor. Anschließend setzen die Instrumente ein, als „Das ist los“ ertönt. Ein Song, der normal von seinen von Synthesizern durchsetzten Beats lebt. Heute aber nicht: den Part übernehmen die peitschenden Hände des Publikums. Schnell wird klar, dass Grönemeyer Songs in einem neuen Gewand präsentiert.
Was das Publikum früh auch schon sieht: Seine Energie auf der Bühne ändert sich nicht. Immer wieder rennt Grönemeyer umher, hüpft auf und ab, zeigt ins Publikum, ballt die Faust – und animiert Fans, mitzumachen. „Ich stehe so unter Strom, das legt sich meist bei der zweiten Zugabe“, versichert er zu Beginn des Konzertes.
Das Publikum singt tatkräftig mit. Etwa, als Grönemeyer das Steigerlied anstimmt und diejenigen huldigt, die Jahrzehnte in das Bergwerk hinabstiegen. Oder, als er kurz darauf „Bochum“ singt: ein Song, in dem er seine Heimat im Ruhrgebiet und den traditionsreichen VfL in den Himmel lobt. Und bei dem er sich einen Seitenhieb gegen die großen Berliner Fußballklubs nicht verkneifen kann: „Machst mit einem Doppelpass Hertha und Union nass“, wandelt er den Text ab.
Emotional wird es bei einer Chor-Version von „Flugzeuge im Bauch“. Oder bei dem für seine verstorbene Frau gewidmeten Lied „Der Weg“. Grönemeyer sitzt hier am Klavier und wird A-Capella von vielen Musikern und dem Orchester begleitet – einen Höhepunkt des Abends. Auch bei dem Hit „Mensch“ und dem Liebessong „Halt mich“ fließen im Publikum sicherlich viele Tränen.











