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Wasserspiegel der Ostsee auf historischem Tiefstand
Aktualisiert am 06.02.2026 – 15:23 UhrLesedauer: 1 Min.
Die Ostsee hat einen historischen Tiefstand erreicht. Wissenschaftler beobachten das seltene Phänomen mit Spannung und haben eine Hoffnung.
Die Ostsee hat einen historischen Tiefstand erreicht. Wie das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) am Freitag mitteilte, wurde am schwedischen Pegel Landsort-Norra Anfang Februar ein Tagesmittelwert von mehr als 67 Zentimetern unter dem langjährigen mittleren Wasserstand gemessen. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1886.
Grund für den niedrigen Wasserstand sei eine außergewöhnlich lange Ostwindlage. Seit Anfang Januar habe der Wind große Wassermengen aus der Ostsee durch die Meerenge zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden in Richtung Nordsee gedrückt. Nach aktuellen IOW-Berechnungen fehlen der Ostsee dadurch im Vergleich zum langjährigen Mittel zurzeit rund 275 Kubikkilometer Wasser.
Meeresforscher hoffen in dieser Situation auf ein besonderes Naturphänomen. Bereits Ostsee-Füllstände von 20 Zentimetern unter dem mittleren Meeresspiegel gelten als gute Voraussetzung für große Salzwassereinbrüche aus der Nordsee. Michael Naumann, einer der Koordinatoren des IOW-Langzeitbeobachtungs-Programms, beziffert die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Einstrom aktuell auf 80 bis 90 Prozent.
Ein solches Ereignis könnte für die tiefen Ostseebecken gleich zwei positive Effekte haben. „Kaltes Wasser kann deutlich mehr Sauerstoff aufnehmen als warmes und würde damit – bezogen auf sein Volumen – überdurchschnittlich viel Sauerstoff in die tiefen Becken transportieren“, erklärt Volker Mohrholz, stellvertretender Leiter der IOW-Abteilung Physikalische Ozeanographie.
Zudem könnte ein ausreichend starker Einstrom die Tiefenwassertemperatur in der Ostsee abkühlen. Seit etwa zwei Jahrzehnten werden hier im zentralen Ostseebecken anhaltend erhöhte Temperaturen gemessen.









