
Im Babyalter
Neue Gehirnscans enthüllen verborgene Fähigkeiten
05.02.2026 – 12:10 UhrLesedauer: 2 Min.
Lange galten Säuglinge als passive Beobachter. Neue Hirnscans zeigen nun, dass ihr Gehirn schon sehr früh zwischen Dingen unterscheidet.
Sie können weder sprechen noch gezielt greifen und sehen ihre Umgebung noch unscharf. Trotzdem passiert im Kopf von Babys offenbar deutlich mehr als lange angenommen. Eine neue Studie zeigt: Schon mit wenigen Monaten beginnt das Gehirn von Babys, Dinge systematisch einzuordnen.
Demnach verarbeiten Babys Eindrücke schon früh aktiv und unterscheiden bereits zwischen grundlegenden Kategorien. Das belegt eine neue Untersuchung aus Irland, die nun im Fachjournal „Nature Neuroscience“ erschienen ist.
Das Forschungsteam vom Trinity College Dublin untersuchte mehr als 130 zwei Monate alte Babys. Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie, kurz fMRT, analysierten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität der Kinder. Diese Methode misst Veränderungen im Sauerstoffgehalt des Blutes und zeigt so, welche Hirnareale auf bestimmte Reize reagieren.
Die Babys lagen während der Messungen wach in einem Sitzsack, trugen geräuschdämpfende Kopfhörer und sahen Bilder aus zwölf Kategorien. Dazu gehörten lebendige Wesen wie Katzen und Vögel, aber auch unbelebte Objekte wie Bäume, Einkaufswagen oder Spielzeug.
Die Auswertung der Hirnscans zeigte: Schon mit zwei Monaten reagieren die Gehirne der Babys unterschiedlich auf verschiedene Bildtypen. Sie unterscheiden zwischen belebten Wesen und unbelebten Dingen. Die Muster der Gehirnaktivität ähneln dabei bereits in Ansätzen denen von Erwachsenen.
Studienleiterin Cliona O’Doherty erklärt, dass das Gehirn beim Anblick einer Katze anders reagiert als bei einem Baum. Solche typischen Aktivitätsmuster gelten bei Erwachsenen als Zeichen dafür, dass das Gehirn Kategorien bildet. Dass sich ähnliche Muster bereits bei so jungen Babys zeigen, überraschte das Team. Ein Teil der Kinder kam im Alter von neun Monaten erneut zur Untersuchung. Bei diesen Babys fiel die Unterscheidung im Gehirn noch deutlicher aus.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass wichtige Grundlagen des Denkens schon sehr früh vorhanden sind. Babys warten demnach nicht darauf, sprechen oder laufen zu lernen, sondern verarbeiten ihre Umwelt von Beginn an aktiv. Nach Einschätzung der Forscher passiert im ersten Lebensjahr ein enormer Entwicklungsschub im Gehirn, der sich von außen kaum beobachten lässt.
Langfristig könnten die Ergebnisse laut den Studienautoren helfen, die Entstehung von psychischen Erkrankungen und neuroentwicklungsbedingten Störungen besser zu verstehen. Bislang stellen Ärzte Diagnosen meist auf Grundlage des Verhaltens. Die zugrunde liegenden Veränderungen im Gehirn könnten jedoch schon deutlich früher beginnen.











