
Die politische Debatte um eine Ausweitung der Arbeitszeit betrifft aber nicht nur die Arbeitszeit pro Jahr, sondern auch die Arbeitszeit über Jahrzehnte hinweg. Eine Rentenkommission arbeitet gerade an Reformen, die die gesetzliche Rente zukunftsfähig machen sollen. Dabei wird auch über ein höheres Renteneintrittsalter diskutiert. Allerdings liegen deutsche Erwerbstätige schon heute mit einer erwarteten Lebensarbeitszeit von 40 Jahren im europäischen Vergleich auf den vorderen Plätzen. Im Durchschnitt kommen Beschäftigte in der EU auf 37,2 Jahre im Arbeitsleben.
Und schließlich geht es bei der Frage, wie man Deutschlands Konjunktur wieder ankurbeln kann, nicht nur um die reine Dauer der Arbeitszeit. Wichtig ist auch, ob die Beschäftigten, während sie am Schreibtisch sitzen, an der Werkbank stehen oder sich beruflich um Menschen kümmern, dabei auch produktiv sind. Eine Auswertung der Plattform „Our World in Data“ zeigt, dass Deutschland hier zwar noch etwas von der Schweiz lernen kann, im Vergleich mit anderen wirtschaftsstarken Nationen wie den USA, Frankreich oder dem Vereinigten Königreich aber gut dasteht:
Die Diskussion über die Arbeitsmoral in Deutschland ist komplexer, als sie oft dargestellt wird. Während Teilzeitquoten und eine hohe Erwerbstätigenzahl auf den ersten Blick zu einem niedrigeren Arbeitszeitdurchschnitt führen, spiegeln diese Zahlen auch Erfolge in der Arbeitsmarktintegration wider.
„Eine geringere durchschnittliche Arbeitszeit sagt daher nichts über Fleiß oder Faulheit aus“, lautet das Fazit der Wissenschaftler vom RWI Essen. „Es kommt vielmehr darauf an, was man in einer Stunde an Wert produziert. Und es kommt auch darauf an, wie man arbeitet: unter fairen und gesunden Arbeitsbedingungen, einer höheren Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt und einer Bezahlung, die es Arbeitnehmern erlaubt, von ihrem Gehalt zu leben.“










