
Knorr mit Gala-Vorstellung gegen Frankreich
„Ich kam mir ziemlich verarscht vor“
Aktualisiert am 29.01.2026 – 08:41 UhrLesedauer: 3 Min.

Gegen Frankreich war Juri Knorr der entscheidende Mann und befreite sich aus der Formkrise. Er selbst gab sich davon betont unbeeindruckt, aber Trainer und Mannschaftskollegen schwärmen.
Aus Herning berichtet Nils Kögler
„Ich strahle nicht!“: Juri Knorr hatte einfach keine Lust auf bedingungslose gute Laune, als er in der Jyske Bank Boxen von Herning fleißig die wartenden Journalisten ablief. Die Bemerkung eines Reporters wies der deutsche Spielmacher brüsk als falsche Beobachtung zurück. Dabei hätte der 25-Jährige durchaus Grund zum Strahlen gehabt.
Ganze zehn Tore hatte Knorr zum 38:34-Erfolg der deutschen Handball-Nationalmannschaft im letzten EM-Hauptrundenspiel gegen Titelverteidiger Frankreich beigetragen und seine Mannschaft somit ins Halbfinale gehievt. „Ich freue mich einfach“, gab Knorr immerhin zu, sagte auf die Frage, was den Ausschlag gegeben habe, aber ganz bescheiden: „Unser Team.“
Dabei war bei ihm endlich der Knoten geplatzt. Vor allem in der bisherigen Hauptrunde hatte Knorr seine Klasse nicht ansatzweise zeigen können und nach mehreren schwachen Leistungen gewohnt harte Selbstkritik geübt. „Es nervt mich einfach“, hatte er unter anderem über seine Leistungen gesagt. Gegen Frankreich war er nun plötzlich der überragende Mann des Teams, traf unter anderem alle seiner ersten zehn Würfe.
In Eigenlob verlor sich Knorr dennoch nicht: „Ich kam mir eigentlich ziemlich verarscht vor“, sagte er, „weil drei Spiele nichts funktioniert und auf einmal geht jeder Gurkenwurf rein“.
Etwas Freude zeigte er dann aber doch noch: „Natürlich, wenn man so spielt, wie ich die letzten zwei, drei Spiele, ist man nicht zufrieden und grübelt viel“, sagte er. Er habe sich aber gesagt, dass die Grübelei nichts bringe und er einfach weitermachen müsse. „Ich habe Handball nicht vergessen und darauf vertraut, dass so eine Phase wieder vorbeigeht“, beschrieb er seine Herangehensweise. „So wie es immer war in den letzten Jahren. Manchmal ist sie länger, manchmal ist sie kürzer und ich hatte jetzt das Glück, dass sie kürzer war und heute geendet ist. Darüber freue ich mich einfach.“
Folgerichtig wurde Knorr nach der Partie zum Spieler des Spiels gewählt. „Das war fast ein bisschen kitschig“, sagte er über den Moment der Ehrung. „Mein Vater stand ziemlich genau vor mir und ich habe meine Freundin zwischendurch irgendwo auf dem Videowürfel gesehen.“










