
Die derzeit übliche Therapie wirkt nur gegen die Tachyzoiten, die für akute Erkrankungen verantwortlich sind, nicht aber gegen die Bradyzoiten, die zu Hunderten in nur einer Zyste stecken. Denn jede Zyste ist von einer schützenden Wand umgeben, die bislang jegliche Versuche, sie endgültig zu beseitigen oder die Reaktivierung der Bradyzoiten zu verhindern, scheitern ließ.
Die bisherige Forschung konzentrierte sich allerdings hauptsächlich auf im Labor gezüchtete Tachyzoiten. Die in den Zysten eingeschlossenen Bradyzoiten sind weitgehend unerforscht. So blieb über mehrere Jahrzehnte die Vorstellung bestehen, dass alle Bradyzoiten in einer Zyste demselben Typ entsprechen, der sich in einer Ruhephase befindet und nach seiner Reaktivierung in einen Tachyzoiten umwandelt.
Die aktuell in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ präsentierten Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass diese Vorstellung falsch ist. Das Forschungsteam der University of California, Riverside, konnte nachweisen, dass jede Zyste mindestens fünf verschiedene Subtypen von Bradyzoiten enthält, die jeweils unterschiedliche Funktionen wie Überleben, Reaktivierung oder Ausbreitung erfüllen.
Demnach ist der in seiner Zyste „schlummernde“ Parasit tatsächlich viel komplexer und aktiver als gedacht. Dank der neuen Erkenntnisse lassen sich nun die Subtypen bestimmen, die am ehesten wieder aktiv werden und Schäden verursachen. Dies liefert neue, genauere Ansatzpunkte für zukünftige Therapien.
Bessere Behandlungsmöglichkeiten wären angesichts der vielen Betroffenen mehr als wünschenswert: In Deutschland infizieren sich jedes Jahr etwa 1.300 Ungeborene mit Toxoplasma gondii. Zudem hat fast die Hälfte aller Erwachsenen hierzulande Antikörper gegen den Parasiten im Blut, was auf eine aktuelle oder zurückliegende Infektion hinweist. Deren Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter: Bei jungen Erwachsenen beträgt der Anteil der Infizierten circa 20 Prozent, in höheren Lebensjahren über 70 Prozent.











