
Der dritte Satz ging mit 6:1 im Schnelldurchlauf an den 28-jährigen Weltranglistendritten. Im vierten und entscheidenden Satz bot Tien ebenfalls einen harten Kampf, zwang Zverev abermals in den Tie-Break, aber dort setzte sich der Deutsche souverän durch und gewann schließlich das Match mit 6:3, 6:7, 6:1 und 7:6. Er zeigte dabei über das gesamte Spiel eine bemerkenswerte Konstanz. So hat man Zverev lange nicht spielen sehen.
Danach gefragt, ob er bei den Australian Open schon in seiner besten Form sei, musste er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel ein wenig überlegen. Davon sei er noch ein Stück weit entfernt, so Zverev. In Bestform sei er zuletzt 2022 bei den French Open gewesen. Damals schied er im Halbfinale von Paris unglücklich gegen den Spanier Rafael Nadal aus.
„Ich habe mich die letzten zehn Tage gesund gefühlt, das war schön“, sagte Zverev. „Ich habe mich, glaube ich, im ganzen letzten Jahr nicht mehr so gesund gefühlt.“ Wie wohl er sich offenkundig auf dem Centre Court fühlte, war ihm bei jedem Ballwechsel anzumerken. Er strahlte im Viertelfinale gegen Tien selbst in den kritischen Phasen – und davon gab es einige – Gelassenheit und Selbstvertrauen aus.
„Ich bin glücklich auf dem Platz, weil ich schmerzfrei spiele. Das ist der größte Unterschied. Und wenn du dann noch gewinnst, dann bist du natürlich automatisch zufrieden als Athlet.“ Doch das war nur die mentale Seite. Auf der sportlichen Seite überzeugte Zverev mit erneut großer Konstanz beim ersten Aufschlag. 72 Prozent betrug die Aufschlagquote, darunter waren 24 Asse.
Noch etwas fiel auf gegen Tien. Zverev hat sein Spiel weiterentwickelt. Er wirkte in diesem Viertelfinale nicht nur ausgeglichener, sondern auch aggressiver. Der zweifache Davis-Cup-Gewinner Mark Philippoussis hatte vor dem Spiel noch Zweifel an Zverevs spielerischen Entwicklung geäußert. „Er muss einfach noch mehr an seinem Spiel arbeiten“, sagte der 49-Jährige t-online. „Von seiner Mentalität her glaube ich schon, dass er bereit ist, aber er entwickelt sich nicht so schnell, wie er es eigentlich tun müsste, wenn er gegen jemanden wie [Jannik] Sinner bestehen will“.










