
Rätsel um gesundes Altern gelöst?
Warum so viele Brasilianer über 110 Jahre alt werden
Aktualisiert am 27.01.2026 – 08:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Ohne Top-Medizin, aber mit einem erstaunlich widerstandsfähigen Körper: In Brasilien leben auffällig viele über Hundertjährige. Forscher haben untersucht, woran das liegen könnte.
116 Jahre alt wurde die Nonne Schwester Inah – geistig klar bis zuletzt. Sie ist kein Einzelfall. In Brasilien leben überraschend viele Menschen, die 110 Jahre oder älter sind. Ein Forscherteam um Mayana Zatz von der Universität São Paulo hat nun untersucht, wie diese Menschen so gesund bis ins hohe Alter bleiben. Die Ergebnisse liefern erstaunliche Einblicke und Hoffnung auf neue Wege zu einem gesunden Altern.
Die Forscher haben 160 Hundertjährige aus ganz Brasilien begleitet, darunter 20 sogenannte Supercentenarians – also Menschen über 110 Jahre. Viele von ihnen lebten in Regionen ohne flächendeckende medizinische Versorgung. Vorsorgeuntersuchungen, teure Medikamente oder spezialisierte Altersmedizin? Fehlanzeige. Und doch blieben viele von ihnen körperlich aktiv, geistig wach – und überlebten sogar eine Corona-Infektion unbeschadet.
Die zentrale Beobachtung der Studie: Das Immunsystem dieser Menschen altert womöglich anders. Statt sich im Alter zurückzuziehen, bleibt es gezielt aktiv. Besonders auffällig ist demnach eine bestimmte Art von Abwehrzellen, die bei jüngeren Menschen kaum vorkommt: hochaktive CD4⁺-T-Zellen, die entartete oder virusinfizierte Zellen angreifen.
Auch andere Immunzellen, wie natürliche Killerzellen, zeigen bei diesen Menschen eine ungewöhnlich stabile Aktivität. Das senkt nicht nur das Risiko für Infektionen, sondern auch für chronische Entzündungen, die mit vielen Alterskrankheiten wie Demenz oder Krebs zusammenhängen.
Im Inneren der Zellen fanden die Forscher ebenfalls Besonderheiten. Systeme wie die Autophagie und das Proteasom, die alte oder defekte Zellbestandteile abbauen, funktionieren bei den Superalten noch wie bei jungen Menschen. Solche Prozesse verlangsamen sich bei vielen Menschen ab 60 – in Brasilien offenbar deutlich später.
Das bedeutet: Die Zellen dieser Hochbetagten geraten seltener aus dem Gleichgewicht. Schädliche Ablagerungen, die etwa bei Alzheimer oder Herzkrankheiten eine Rolle spielen, entstehen seltener.
Das Team um Zatz fand auch genetische Spuren, die mit dem außergewöhnlichen Altern zusammenhängen könnten: seltene Genvarianten im Immunsystem wie HLA-DQB1, HLA-DRB5 oder IL7R. Diese Gene beeinflussen, wie stark oder schwach Entzündungsreaktionen ausfallen und wie präzise das Immunsystem reagiert.











