
Auch Narben im Herzen können zu schnellen Herzrhythmusstörungen führen. Ursache für solche Vernarbungen sind meist erworbene Herzerkrankungen, wie zum Beispiel die koronare Herzkrankheit und Herzinfarkte.
Doch nicht immer gehen Probleme im Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem vom Herzen selbst aus. Auch Krankheiten oder Störungen, die unabhängig vom Herzen bestehen, können Herzrhythmusstörungen verursachen. Dazu zählen:
- Bluthochdruck
- Elektrolytstörungen (vor allem Kalium- oder Magnesiummangel)
- Arzneimittelvergiftungen (etwa durch Antidepressiva, Betablocker, Digitalis, Mittel gegen Herzrhythmusstörung oder entwässernde Mittel)
- Alkohol- oder Koffeinvergiftung
- Sauerstoffmangel
- Lungenembolie
- Überempfindlichkeitsreaktion in Form von Schwindel und Bewusstseinsstörungen bei Druck auf die Halsschlagader (Karotissinussyndrom)
- Unfälle und Verletzungen durch elektrischen Strom
- psychische Faktoren
Manche Medikamente können selbst bei richtiger Dosierung als Nebenwirkung vorübergehend Herzrhythmusstörungen verursachen. Dazu gehören neben bestimmten Herzmitteln und Blutdrucksenkern beispielsweise einige Antibiotika, Antidepressiva und Arzneimittel zur Krebstherapie.
Mitunter bekommen auch junge und körperlich gesunde Menschen vorübergehend harmlose Herzrhythmusstörungen. Stress ist eine mögliche Ursache – eine andere Alkohol, Nikotin oder Kaffee: Deren Konsum regt Teile des Nervensystems an, wodurch sich der Herzschlag beschleunigt und überdies Extrasystolen auftreten können.
Bei Herzrhythmusstörungen lässt sich nur durch eine ärztliche Diagnose feststellen, warum das Herz aus dem Takt geraten ist und ob Gefahr besteht. Erste Hinweise liefert die Anamnese. Dabei erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt beispielsweise danach,
- welche Beschwerden aktuell bestehen,
- ob Vorerkrankungen bekannt sind,
- welche Medikamente eingenommen werden und
- wie hoch der Koffein-, Tabak- und Alkoholkonsum ist.
Um die einzelnen Formen von Herzrhythmusstörungen zu diagnostizieren, ist eine Elektrokardiografie unverzichtbar: Bei dieser Untersuchung erfasst ein Gerät mithilfe von Elektroden die elektrischen Impulse des Herzens und zeichnet diese als Herzstromkurve in einem Elektrokardiogramm (EKG) auf.
Es kommt allerdings öfter vor, dass ein einzelnes Ruhe-EKG Herzrhythmusstörungen nicht erfasst, weil diese nur ab und zu auftreten. Bei Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung und unauffälligem Ruhe-EKG ist daher zusätzlich ein Langzeit-EKG sinnvoll: Das hierbei eingesetzte Gerät lässt sich (auch zu Hause) am Körper tragen und zeichnet die Herzströme über einen längeren Zeitraum – meist 24 Stunden lang – auf.
Alternativ eignet sich der Ereignisrekorder (Event-Recorder), um trotz unauffälligem Ruhe-EKG Herzrhythmusstörungen zu erfassen. Dieses Gerät misst die Herzströme ebenfalls über längere Zeit, aber wahlweise nur bei bestimmten Ereignissen. Seine Aktivierung erfolgt dabei entweder automatisch oder durch die Betroffenen selbst, sobald sich Beschwerden zeigen.
Ein Belastungs-EKG kann Herzrhythmusstörungen aufdecken, die nur bei körperlicher Anstrengung auftreten. Zudem setzen Ärztinnen und Ärzte das Belastungs-EKG – ebenso wie eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) – üblicherweise ein, um die Ursachen oder Folgen von Herzrhythmusstörungen abzuklären.
Darüber hinaus können zusätzlich folgende Untersuchungen zum Einsatz kommen, um Herzrhythmusstörungen beziehungsweise deren Ursachen zu diagnostizieren:
- Blutuntersuchungen (etwa zur Messung der Schilddrüsenwerte oder des Kaliumspiegels)
- Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Herzens
- Herzkatheteruntersuchung
Herzrhythmusstörungen: Behandlung
Bei gefährlichen Herzrhythmusstörungen ist eine Behandlung unbedingt nötig. Das ist etwa der Fall, wenn sie im Rahmen einer schweren Herzkrankheit auftreten und wenn das Risiko für schwerwiegende Folgen wie einen plötzlichen Herztod oder Schlaganfälle erhöht ist.
In der Regel erhalten aber auch Menschen mit eigentlich harmlosen Herzrhythmusstörungen eine ärztliche Therapie, wenn ihre körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist oder sie ausgeprägte Beschwerden wie Schwindel, Herzrasen oder Unwohlsein verspüren. Ziel der Behandlung ist es, möglichst die Ursache zu beseitigen und/oder die Symptome zu lindern.
Steckt eine Herzkrankheit oder eine andere Erkrankung hinter den Herzrhythmusstörungen, zielt die Behandlung in erster Linie auf diese Grunderkrankung ab. Im besten Fall gelingt es, die Erkrankung zu heilen oder zumindest gut in den Griff zu bekommen, sodass der Herzschlag sich normalisiert oder wenigstens keine Beschwerde mehr bereitet.
Je nach Auslöser können schon einfache Mittel genügen, um Herzrhythmusstörungen erfolgreich zu behandeln – vor allem, wenn keine Herzkrankheit vorliegt. Beispiele:
- Eine Elektrolytstörung (wie Kalium- oder Magnesiummangel) lässt sich durch eine erhöhte Zufuhr der fehlenden Elektrolyte beheben.
- Löst Stress Herzrhythmusstörungen aus, helfen manchmal bereits Entspannungsmethoden (wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training).
- Gerät das Herz durch den Konsum von Kaffee, Zigaretten oder Alkohol aus dem Takt, reicht es oft schon, darauf zu verzichten.
Führt ein ausgeprägter Magnesiummangel zu Herzrhythmusstörungen, ist zur Behandlung meist ein magnesiumhaltiges Medikament nötig. Bei Kaliummangel kann es hingegen genügen, sich kaliumreich zu ernähren. Viel Kalium steckt zum Beispiel in Karotten, Kohlrabi, Tomaten, Aprikosen, Bananen, Haselnüssen, Cashewkernen, Erdnüssen, Mandeln, Bitterschokolade sowie in Dinkel-, Roggen- und Buchweizenvollkornmehl.
Jedoch erfordern einige Ursachen von Herzrhythmusstörungen eine umfassendere ärztliche Behandlung. Das gilt sowohl für Herzkrankheiten (wie die Herzinsuffizienz) als auch für Erkrankungen, die nicht vom Herzen selbst ausgehen (wie die Schilddrüsenüberfunktion oder ein ausgeprägter Bluthochdruck).
Manchmal – etwa beim WPW-Syndrom – ist beispielsweise eine Katheterablation die einzige Möglichkeit, um schnelle Herzrhythmusstörungen ursächlich zu behandeln. Bei diesem Eingriff schiebt die Ärztin oder der Arzt einen dünnen Schlauch (den Katheter) durch eine Vene bis zum Herzen, um den Entstehungsort der Rhythmusstörung aufzuspüren und das Gewebe dort gezielt zu veröden.
Nicht alle Herzrhythmusstörungen sind heilbar. Eine konsequente Behandlung bietet dennoch die Chance, Beschwerden zu lindern und schwere Folgen zu verhindern. Für eine solche symptomatische Therapie stehen die unterschiedlichsten Maßnahmen zur Verfügung.
Dazu zählen Allgemeinmaßnahmen gegen akute Beschwerden. Je nachdem, wie sich die Herzrhythmusstörungen akut auswirken, kann die Ärztin oder der Arzt beispielsweise Bettruhe verordnen sowie ein Beruhigungsmittel und/oder Sauerstoff verabreichen.
Besonders wichtig sind jedoch Maßnahmen, die den Herzschlag längerfristig möglichst normalisieren sollen. Zu diesem Zweck nehmen viele Menschen mit Herzrhythmusstörungen Medikamente ein: sogenannte Antiarrhythmika. Dazu gehören beispielsweise Betablocker und Kaliumkanalblocker.
Bei schnellen Herzrhythmusstörungen kommt zur Normalisierung des Herzschlags mitunter auch ein Defibrillator zum Einsatz. Mit dem Defi bekommen die Betroffenen einen elektrischen Impuls verpasst, der die Rhythmusstörung beendet. Eine solche Elektrokardioversion kann während eines geplanten Eingriffs unter Narkose (etwa bei Vorhofflimmern) oder im Notfall ohne Narkose erfolgen.
Hingegen kann es vor allem bei langsamen Herzrhythmusstörungen sinnvoll sein, als dauerhafte Behandlung einen Herzschrittmacher zu implantieren: Dieses kleine elektrische Gerät regt das Herz bei Bedarf an, schneller zu schlagen. Dadurch verschwinden auch die mit den Rhythmusstörungen verbundenen Beschwerden.
Gegen gefährliche Herzrhythmusstörungen können Hausmittel nichts ausrichten – stattdessen ist medizinische Hilfe hier unverzichtbar. Wer hingegen nur gelegentlich gutartige Abweichungen vom normalen Herzrhythmus hat, kann in solchen Situationen ein paar Tipps und Tricks ausprobieren, um den Herzschlag wieder zu normalisieren.
Das trifft besonders auf gutartiges anfallartiges Herzrasen zu. Gegen diese Form von Herzrhythmusstörungen hilft oft ein einfaches Hausmittel: kaltes Wasser. Ein Glas davon schnell auszutrinken kann das Herzrasen manchmal beenden. Alternativ können Betroffene sich auch Eiswasser ins Gesicht spritzen.
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Überdies raten Fachleute bei gutartigen schnellen Herzrhythmusstörungen oft zum sogenannten Valsalva-Manöver. Das geht so: Tief einatmen, Luft anhalten und dann Zwerchfell und Bauchmuskeln kräftig anspannen – als wolle man gegen den Druck ausatmen. Im Liegen mit angehobenen Beinen ausgeführt (wobei die Beine etwa gegen eine Wand abgestellt sein können), ist das Manöver oft wirksamer.
Seltener helfen auch akrobatische Übungen gegen Herzrhythmusstörungen. So kann beispielsweise ein Handstand vereinzelt gutartiges anfallartiges Herzrasen stoppen. Ein Hausmittel, das gegen jegliche gutartige Herzrhythmusstörungen wirkt, gibt es allerdings nicht.











