
Bundestrainer Gíslason unter Druck
Jetzt geht es um seinen Job
19.01.2026 – 08:34 UhrLesedauer: 4 Min.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat sich bei der EM schon in der Vorrunde in eine schwierige Situation manövriert. Für den Bundestrainer geht es um alles.
Aus Silkeborg berichtet Nils Kögler
Der Bundestrainer wirkte immer noch geknickt, als er wenige Stunden nach der bitteren Vorrundenpleite bei der Handball-EM gegen Serbien im dänischen Silkeborg zur Pressekonferenz erschien. Nachdem die deutsche Mannschaft von Alfreð Gíslason am Vorabend noch mit einer Vier-Tore-Führung in die Halbzeitpause gegangen war, hieß es bedingt durch eine vor allem offensiv desolate zweite Halbzeit am Ende 27:30.
Während sich die DHB-Auswahl zur Pause schon mit einem Fuß in der Hauptrunde wähnte, muss sie nun mehr denn je um den Einzug in die nächste Turnierphase zittern. Doch nicht nur für die Hauptrundenteilnahme muss im letzten Gruppenspiel gegen die bislang souveränen Spanier am Montag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei t-online) ein Sieg her. Für den Bundestrainer geht es um nicht weniger als seinen Job.
Ein Blick zurück: Gíslason trat das Amt des Bundestrainers im Februar 2020 an. Zuvor war das Experiment mit dem vergleichsweise jungen Christian Prokop gescheitert. Mit all seiner Erfahrung, die er während seiner langen und erfolgreichen Karriere als Bundesliga-Trainer gesammelt hatte, gestaltete Gíslason beim DHB einen Umbruch.
Stück für Stück baute der Isländer den Kader um, verjüngte das Team deutlich. Trotz des Umbruchs zeigte der Trend unter dem langjährigen Erfolgscoach des Bundesligisten THW Kiel stets nach oben. Bei der WM 2021 startete Gíslason mit Platz zwölf, bei Olympia in Tokio erreichte Deutschland das Viertelfinale, bei der EM 2022 reichte es zu Platz sieben, bei der WM 2023 zu Platz fünf, bei der EM 2024 wurde es Platz vier. Der Höhepunkt folgte dann bei Olympia in Paris. Mit dem Gewinn der Silbermedaille scheiterte die Mannschaft nur knapp am großen Coup.
Doch seither stockt die Entwicklung der Mannschaft. Bereits die Weltmeisterschaft 2025, bei der die DHB-Auswahl mit Titelambitionen gestartet war, wurde zur Enttäuschung. Nach durchwachsenen Leistungen in der Vor- und Hauptrunde scheiterte Deutschland bereits im Viertelfinale an Portugal.
Es war ein Rückschlag, der durchaus nachhallte, denn schon vor Beginn der aktuellen Europameisterschaft zählte DHB-Präsident Andreas Michelmann Gíslason, dessen Vertrag eigentlich noch bis nach der Heim-WM 2027 läuft, plötzlich an. „Es ist doch klar, dass wir darüber nachdenken würden, wenn die Mannschaft – wovon ich nicht ausgehe – bei der EM absolut nicht performt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur über eine mögliche vorzeitige Trennung von Gíslason. „Nach jedem Turnier der Männer und Frauen berichten die Bundestrainer an die DHB-Führung. Auf Basis dieser Bilanzen und Analysen werden dann entsprechende Schlüsse gezogen“, so Michelmann weiter. Auch unmittelbar vor dem Spanien-Spiel vermied der Präsident ein klares Bekenntnis, sprach Gíslason lediglich für das letzte Gruppenspiel das Vertrauen aus.










