
Dass die Bahn immer wieder in solchen Wetterlagen den gesamten Fernverkehr einstellt, anstatt regional kurzfristig zu entscheiden, was möglich ist und was nicht, habe auch politische Gründe, sagt Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene. So finde sich in der aktuellen Bahnstrategie von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kein einziger Verweis auf Unwetter. Stattdessen sei allgemein die Pünktlichkeit das zentrale Qualitätskriterium, an dem die Bahn in den nächsten Jahren gemessen werden soll.
Aus Fleges Sicht ist das der falsche Anreiz. Zugausfälle gehen nämlich nicht in die betriebliche Pünktlichkeitsstatistik der Bahn ein, auf die sich die Regierungsziele beziehen. Sein Vorwurf: Die Bahn lässt die Züge deshalb lieber ausfallen, als dass sie mit erheblicher Verspätung im Netz unterwegs sind.
An der Bahnstrategie des Ministers stört ihn außerdem die Vorgabe, dass der Konzern ein positives Betriebsergebnis erzielen muss, also Gewinne machen soll. Mit diesem Spardruck halte kein Unternehmen einen ausreichend großen Fuhrpark bereit, um für seltene Extremereignisse umfassend gewappnet zu sein. Dieser Zwang zur Profitabilität bestehe allerdings schon seit der Bahnreform im Jahr 1994.
Der Minister selbst hatte am Wochenende in der „Rheinischen Post“ die Bahn kritisiert, es habe im Rahmen von Wintersturm „Elli“ zu viele Zugausfälle und Verspätungen gegeben. „Hier wird die Bahn sicherlich analysieren, wo es besonders gut Hand in Hand lief, und da, wo es etwas zu verbessern gibt, Abläufe weiter optimieren“, sagte Schnieder. Gleichzeitig warb er für Verständnis, dass in solchen Extremlagen kein planbarer Normalbetrieb möglich sei.
Doch andere Länder zeigen, dass das durchaus möglich ist: Auch in skandinavischen Ländern sowie in Österreich oder der Schweiz soll es hin und wieder schneien. Von einem Verkehrschaos auf der Schiene lesen die Fahrgäste dort aber selten. Diese Länder hätten einen deutlich besser ausgestatteten Maschinenpark und genügend Reservezüge, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, betont Flege.
Die Bahn allerdings betont, die Situation in Deutschland sei mit diesen Ländern nicht vergleichbar. 3.000 Kilometer Schienennetz seien in diesen Tagen in Norddeutschland betroffen gewesen. Das entspreche dem Gesamtnetz in der Schweiz. „Wenn es dort ein Winterproblem gibt, dann auf 100 Kilometern, die man freifräst und anschließend wieder befahren kann.“











