
Wundversorgung aus der Spraydose
Wann sind Sprühpflaster besser als Klebepflaster?
Aktualisiert am 08.01.2026 – 07:48 UhrLesedauer: 4 Min.
Pflaster gibt es schon lange nicht mehr nur zum Aufkleben. Sprühpflaster nennen sich die Pflaster, die auf die Haut gesprüht werden. Doch was taugen sie?
Bieten Sprühpflaster einen ebenso guten Wundschutz wie „normale“ Pflaster? Oder bergen sie gar Risiken? Ein Hautexperte erklärt, was Verletzte beachten sollten und was Wunden für die Heilung benötigen.
Verletzungen passieren im Alltag schnell. Ein Sturz vom Rad, ein Abrutschen mit dem Messer, das erste Tragen der neuen Schuhe oder intensive Gartenarbeit – und schon zeigt die Haut Schürfwunden, Schnitte, Blasen und Kratzer. Bevor die verletzte Haut mit einem Pflaster geschützt wird, muss die Wunde zunächst mit kaltem, klarem Wasser gesäubert werden.
Kaltes Wasser führt dazu, dass sich die Gefäße zusammenziehen. Blutungen können so rascher gestillt werden. Außerdem lindert die Kälte den Schmerz. Anschließend sollte die Wunde mit einem Hautdesinfektionsmittel gereinigt werden, um Bakterien abzutöten. Sonst droht eine Entzündung.
Ist die Haut entzündet, ist nicht nur die Heilung erschwert und das Risiko für Narbenbildung erhöht: „Neben beträchtlichen Schäden im Hautgewebe können sich die infektionsverursachenden Bakterien im schlimmsten Fall im Körper ausbreiten und eine lebensbedrohliche Blutvergiftung, eine sogenannte Sepsis, auslösen“, sagt Dr. Christoph Liebich, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in München. „Kleinere Verletzungen heilen in der Regel aber nach wenigen Tagen problemlos ab.“
Nach der Reinigung und Desinfektion der Wunde sollte diese mit einem Pflaster bedeckt werden. Das ist wichtig, damit die verletzte Haut vor äußeren Einflüssen geschützt ist. Die meisten Menschen haben Pflaster zum Aufkleben in ihrer Hausapotheke.
Diese schützen die Wunde mit einem kleinen Mulleinsatz vor Stößen und Verunreinigungen, nehmen Wundsekret auf und lassen die Haut atmen. Damit das Wundsekret nicht mit dem Pflaster verklebt, ist es ratsam, das Pflaster so anzubringen, dass etwas Raum zwischen Wunde und Pflaster bleibt.
Sprühpflaster aus der Dose hingegen sind vor allem bei Sportlern beliebt. Sie eignen sich für viel bewegte Stellen sowie Hautbereiche, auf denen klassische Pflaster stören, nicht gut halten oder nur schwer anzubringen sind. Die Stiftung Warentest beurteilte Sprühpflaster in einem Test vor mehreren Jahren im Großen und Ganzen als positiv: Sie decken die Wunde gut ab, schützen vor Feuchtigkeit und Schmutz und schließen die Haut nicht völlig ab, so das Fazit der Tester.

Dr. med. Christoph Liebich ist Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Medienexperte des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD) und führt seine eigene Praxis „Hautarztpraxis Dermazent“ in München.
Bei Sprühpflastern muss man allerdings berücksichtigen, dass diese nur auf trockene Wunden aufgetragen werden können. Blutet oder nässt die Wunde, haftet das Sprühpflaster nicht richtig. „Für die erste Wundversorgung sind klassische Pflaster daher besser geeignet. Ebenfalls empfehlenswert ist, dünn aufgetragen, etwas Wundsalbe. Feuchte Wunden heilen besser“, sagt Liebich.
„Für den Wundschutz im weiteren Heilungsverlauf kann man dann zu Sprühpflastern greifen. Wichtig ist, dass Sie das Sprühpflaster nicht zu dick auftragen. Ist die Wunde komplett abgedeckt und kann sie nicht atmen, wird sie leicht zur Brutstätte für Bakterien. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass Sie das Spray nicht einatmen und es nicht in Augen und Mund gelangt.“











