
Analyse deckt auf
Lidl wirbt mit Kampfpreisen – und erhöht
Aktualisiert am 01.01.2026 – 15:50 UhrLesedauer: 3 Min.
Lidls „historische“ Preissenkung entpuppte sich teilweise als vorübergehend. Eine neue Analyse zeigt, dass Kunden aktuell mehr für beworbene Produkte zahlen.
Für die Analyse wurden mehr als 100.000 Kassenbelege durch das Preisvergleichsunternehmen Smhaggle untersucht. Die von Lidl genannten Produkte sind demnach heute durchschnittlich 3,9 Prozent teurer als zum Start der Aktion.
Auf Nachfrage des „Handelsblatt“ teilte Lidl mit, dass seit Aktionsstart bis zu 900 Produkte dauerhaft günstiger seien. Eine Liste, die diese Aussage belegen könnte, wollte das Unternehmen aus „Wettbewerbsgründen“ jedoch nicht veröffentlichen. Ebenfalls schweigsam gibt sich Lidl bei der tatsächlichen Preisentwicklung seines Sortiments.
Marc Houppermans von DRC Discount Retail Consulting, einem Unternehmen, das Discounter berät, kritisiert: „Diese Unterbietungen sind nicht dauerhaft, sondern dienen über marketingwirksame Aktionen dazu, die Kunden davon zu überzeugen, wer gefühlt der Preisführer ist.“ Würden Aldi und Lidl tatsächlich einen Preiskrieg führen und sich dauerhaft gegenseitig unterbieten, hätte das für beide hohe Verluste zur Folge – und ihre Marktposition würde sich dadurch kaum verbessern.
Fakt ist jedoch, dass die Lebensmittelpreise insgesamt steigen. Gründe sind höhere Kosten für Rohstoffe, Energie, Logistik und Personal. Auch Missernten infolge des Klimawandels sowie Klimaschutzmaßnahmen in den Anbaugebieten treiben die Preise weiter nach oben. Wie stark die Lebensmittelpreise vor allem durch Letzteres beeinflusst werden, zeigen offizielle Zahlen des Statistischen Bundesamts.
Hinzu kommt, dass die steigenden Lebensmittelpreise nicht etwa den Landwirten und Kunden zugutekommen. Vielmehr profitieren die Händler und Hersteller davon, erklärt die Monopolkommission. Thomas Duso, der Vorsitzende der Monopolkommission, hält die hohe Marktkonzentration und steigende Preisaufschläge auf Lebensmittel durch Hersteller und Einzelhandel für „besorgniserregend“.
Damit die Preissteigerungen bei vielen Lebensmitteln den Kunden nicht dauerhaft negativ im Gedächtnis bleiben, werben Discounter regelmäßig mit besonders niedrigen Preisen für sogenannte Lockware. Dabei handelt es sich etwa um Butter, Kaffee, Schokolade oder Orangensaft. Diese Angebote haben gleich mehrere Effekte: Zum einen besänftigen sie die Kunden, zum anderen ziehen sie durch die Preisreduktionen mehr Käufer in die Filialen – die dort häufig mehr und teurere Produkte kaufen als ursprünglich geplant.











