
„Coolcation“ statt Mittelmeer
Wie das Urlaubsland Niedersachsen den Klimawandel nutzt
t-online, dpa, Lennart Stock und Britta Körber
Aktualisiert am 30.11.2025 – 02:19 UhrLesedauer: 4 Min.
Strand, Sonne – und bis zu 40 Grad: Die extreme Hitze am Mittelmeer bringt manchen Touristen inzwischen dazu, den Sommerurlaub lieber in kühleren Regionen zu planen. Könnte Niedersachsen davon profitieren?
Während im Mittelmeerraum die Temperaturen auch in diesem Sommer auf weit über 30 Grad kletterten, blieb der Sommer im Norden eher kühl und wechselhaft. Für manche Touristiker liegt genau darin eine Chance – auch in Niedersachsen. Die Tourismus-Agentur Nordsee (Tano) nutzte die Hitzewelle Anfang Juli 2025 und warb erstmals in Freiburg, Karlsruhe und Köln auf großen Plakatflächen mit einer „Sommerbrise an der Nordsee“ für Abkühlung.
Mario Schiefelbein, Geschäftsführer der Marketingorganisation für die niedersächsische Nordseeküste zwischen Ems und Elbe, sagt mit Blick auf das Klima am Meer: „Das, was früher mal vor Jahrzehnten das Mittelmeer war, das können wir jetzt sein.“ Bei einer frischen Brise an der Küste lasse sich die Hitze besser aushalten. „Das ist für uns ein Riesenvorteil. Ich glaube, wir können Menschen dazu bringen, mal den Urlaub Richtung Nordsee zu planen statt ans Mittelmeer“, sagt Schiefelbein.
Erholung und Naturerleben ohne Hitzerisiko: In der Tourismusbranche gibt es für dieses Reiseverhalten schon länger den Begriff „Coolcation“ – eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen „cool“ (kühl) und „vacation“ (Reisen), also frei übersetzt: kühles Reisen.
Vor allem in Skandinavien, wo Sommer vergleichsweise kühler ausfallen als in Südeuropa, wird mit „Coolcation“ schon geworben. „Wir sind die südlichste Zone für ‚Coolcation'“, sagt Tourismusmanager Schiefelbein mit Blick auf die niedersächsische Nordseeküste, an der im vergangenen Jahr der Statistik zufolge mehr als 15 Millionen Übernachtungen verbucht wurden. Aber kann womöglich das ganze Reiseland Niedersachsen von „Coolcation“ profitieren?
Wenn es nach dem Vorsitzenden des Tourismusverbandes Niedersachsen (TVN), Holger Heymann, geht, sollte Niedersachsen künftig stärker mit „Coolcation“ werben. „Das könnte eine Marketingstrategie für Niedersachsen sein“, sagt Heymann, der auch Landrat im ostfriesischen Wittmund ist. Der Klimawandel müsse ernst genommen werden. Klimaveränderungen der vergangenen Jahre wirkten sich schon jetzt auf das Reiseverhalten aus.
„Wenn wir in den kommenden Jahrzehnten in den Sommermonaten etwa in Ägypten oder in der Türkei Temperaturen von bis zu 50 Grad erreichen, weiß ich nicht, ob da Familien etwa mit kleinen Kindern noch für den Urlaub hinreisen“, sagt Heymann. „Wir haben als Reiseland in Niedersachsen beste Voraussetzungen, diese Klientel für uns zu gewinnen. Auch dafür brauchen wir eine neue Tourismusstrategie.“











