
In Deutschland sehen Sie eine „gesellschaftliche Erosion“, wie Sie es nennen. Welche Rolle spielt dabei freiwilliges Engagement?
Es gibt in unserem Land Hunderttausende von Menschen, die sich freiwillig engagieren – tagtäglich, oft im Verborgenen. Diese Menschen halten unsere Gesellschaft zusammen. Sie stehen nicht im Rampenlicht, sind nicht 1,68 groß und stehen auf einer Bühne wie ich, aber sie bewegen oft viel, viel mehr. Das wird häufig übersehen.
Sie meinen: Ehrenamt und soziales Engagement erfahren zu wenig Wertschätzung?
Vollkommen richtig. Wenn wir diesen Einsatz würdigen und fördern – durch Anerkennung, durch Unterstützung, durch Beteiligung – dann kann daraus eine starke, verbindende Kraft entstehen. Ein Teil davon zu sein, motiviert mich. Deshalb engagieren wir uns auch mit voller Überzeugung bei Projekten wie der Postcode Lotterie. Denn: Zusammen erreichen wir mehr als jeder für sich allein.
Was wünschen Sie sich – für sich, für die Gesellschaft?
Mehr Respekt. Mehr Zuhören. Weniger von oben herab urteilen. Wenn wir lernen, uns wirklich zu begegnen – nicht nur oberflächlich – dann wird vieles besser. Wissen ist der Schlüssel. Und Menschlichkeit.
Sie wirken heute sehr reflektiert – fast schon ein Kontrast zu Ihrem Rockstar-Image. Wollen Sie sich bewusst von diesem Bild lösen?
Ich glaube, das passiert ganz von allein. Mit 20 will man zeigen, was man drauf hat, klar. Aber mit 76 weiß ich: Härte bringt mich nicht weiter. Ich verschwende keine Zeit mehr mit Aggression, wenn ich sie vermeiden kann. Ich will die Zeit, die mir bleibt, sinnvoll nutzen – für das, was wirklich zählt.
Was ist so gut daran, weicher und gefühlvoller zu wirken?
Kinder zeigen uns das. Die haben keine Angst, ihre Gefühle zu zeigen. Wir Erwachsenen schon. Aber wer Musik macht – der muss sich öffnen, sonst funktioniert das nicht. Denn Musik ohne Emotionen ist sinnlos.











