Arminia Bielefeld
Auf den Stehplätzen taucht ein Politik-Star auf
Aktualisiert am 25.02.2025 – 23:49 UhrLesedauer: 2 Min.
Beim Sensationserfolg von Arminia Bielefeld steht auch ein ehemaliger Politik-Star in der Fankurve. Den Sieg des Außenseiters bejubelt er frenetisch.
Den sensationellen 2:1-Erfolg von Arminia Bielefeld im DFB-Pokal gegen den Erstligisten Werder Bremen feierten die Fans im Stadion der Arminia ausgelassen. Unter ihnen war auch ein Politiker, um den es in den vergangenen Monaten ruhig geworden war. Mitten in der Kurve stand Kevin Kühnert. Der ehemalige Generalsekretär der SPD stand mit Arminia-Fanschal auf den Stehplätzen der Südtribüne, ganz nah am Spielfeldrand, wie die TV-Bilder zeigten.
Kühnert gilt als glühender Anhänger des Drittligisten. Er habe sein Herz an die Arminia verloren, als er als Fußball-Groundhopper (Anm. d. Red.: Fans, die es sich zur Aufgabe machen, alle Stadien mindestens einmal zu besuchen) einmal auf der Bielefelder „Alm“ Station machte. Inzwischen heißt das Stadion offiziell Schüco-Arena, aber Kühnert kommt immer noch vorbei.
„Ich gehe nicht ins Stadion, um in einer Loge zu sitzen. Ich habe eine Stehplatzdauerkarte in der Kurve. (…) Am Stadion schätze ich, dass es in der Kurve keinen interessiert, was die Leute sonst so in ihrem Leben machen. In der Kurve stehen wir alle nebeneinander und haben unseren Schal umgehängt und das Trikot an“, hatte er im Interview mit „Der Westen“ einmal gesagt.
Der Besuch des Berliners in Bielefeld am Mittwochabend hat sich jedenfalls gelohnt. Kühnerts Klub zog durch den Sensationserfolg über den Erstligisten Werder Bremen erstmals seit zehn Jahren wieder in ein DFB-Pokal-Halbfinale ein. Der ehemalige Bundespolitiker bejubelte den Sieg seines Teams leidenschaftlich. Lesen Sie hier den Spielbericht.
Der Bundespolitik war Kühnert zuletzt ferngeblieben. Vor rund vier Monaten hatte er sein Amt niedergelegt und sich aus der Politik zurückgezogen, aus gesundheitlichen Gründen, wie er damals in einer Erklärung mitteilte. Damit verlor die bundesdeutsche Politiklandschaft bis auf Weiteres eines ihrer größten Talente. „Die Energie, die für mein Amt und einen Wahlkampf nötig ist, brauche ich auf absehbare Zeit, um wieder gesund zu werden“, schrieb der 35-Jährige damals.
Auch bei der vorgezogenen Bundestagswahl trat Kühnert nicht mehr für die SPD an. Er machte keinen Wahlkampf für die Partei und wird auch sein Mandat als Abgeordneter verlieren. Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode trat er aber noch einmal ans Rednerpult im Bundestag und las den anwesenden Kollegen die Leviten. „Schützen wir das, was wir lieben, schützen wir unsere Demokratie“, appellierte er Mitte Februar an die Abgeordneten. „Ich tue das in Zukunft von außen. Bitte tun Sie es von hier drin.“
Er spielte in seiner Rede auch wenig verhohlen auf die von Friedrich Merz initiierten Abstimmungen zur Migrationspolitik wenige Wochen zuvor an, bei denen AfD mit der Union abgestimmt hatte.
„Viele von Ihnen haben vermutlich weiterhin die innere Überzeugung, Rechtsradikale soll man rechts liegen lassen“, sagte er. „Das glaube ich Ihnen – aber Sie geben das Ringen zunehmend auf und das kritisiere ich.“ Kühnert mahnte, die Politik müsse das Ohr am Volk haben, ihm aber nicht nach dem Mund reden, sondern auch mal etwas zumuten. Kanzler wie Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl hätten für ihre Überzeugung gerungen.