Meteorologen der FU Berlin
3.000 Extra-Einsätze: Hitzewelle überfordert Rettungsdienste
16.07.2026 – 15:38 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Hitzewelle hat die Einsätze des Rettungsdienstes deutlich nach oben getrieben. Das Erschreckende: Die Belastung hielt noch Tage nach dem Ende der Hitze an.
Die Hitzewelle Ende Juni 2026 hat den Berliner Rettungsdienst an seine Grenzen gebracht. Meteorologen der Freien Universität Berlin haben das nun in Zahlen gefasst – und die sind deutlich.
Zwischen dem 24. Juni und dem 2. Juli rückte der Rettungsdienst rund 3.000 Mal mehr aus als üblich. Statt der erwarteten 12.500 Einsätze waren es etwa 15.500 – ein Plus von 23 Prozent. Den Höhepunkt markierte der 27. Juni: An der Wetterstation Berlin-Tempelhof kletterte das Thermometer auf 39,9 Grad Celsius, die höchste jemals offiziell in der Stadt gemessene Temperatur.
Diese Bezirke waren am stärksten betroffen
Am stärksten traf es Spandau, wo die Einsatzzahlen um mehr als 40 Prozent stiegen. Auch Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte lagen deutlich über dem Berliner Schnitt.
Noch beunruhigender als die Spitzenwerte ist ein anderer Befund: Die Belastung blieb vier Tage nach dem Ende der Hitzewelle erhöht – obwohl die Temperaturen längst wieder normal waren. Daniel Kruppke-Hansen, Meteorologe und Physiker an der Freien Universität Berlin, sagt: „Die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze reichen weit über die eigentliche Hitzewelle hinaus“. Für Rettungsdienste und Krankenhäuser bedeute das, dass die hohe Belastung nicht zwangsläufig mit dem Ende einer Hitzewarnung endet.
Extremereignisse nehmen zu: Es besteht Handlungsbedarf
Die Auswertung stammt aus dem Forschungsprojekt ForMed, das Vorhersagemodelle für die Folgen von Extremwetterereignissen auf den Rettungsdienst entwickelt. Ein Prototyp läuft bereits beim Lagedienst der Berliner Feuerwehr. Während der Hitzewelle zeigte das Modell jedoch eine Lücke: Bei extremen Temperaturen lagen die tatsächlichen Einsatzzahlen weit über den Prognosen. Als wahrscheinliche Ursache sehen die Forscher die fehlende nächtliche Abkühlung – ein Faktor, den das Modell künftig einbeziehen soll.
Henning Rust, Professor für Statistische Meteorologie an der Freien Universität Berlin, sieht dringenden Handlungsbedarf. Solche Vorhersagemodelle könnten Leitstellen, Krankenhäuser und Behörden frühzeitig warnen und eine gezieltere Ressourcenplanung ermöglichen. Mit dem Klimawandel werde die Häufigkeit solcher Extremereignisse zunehmen – und damit auch der Druck auf die Notfallversorgung.











