Das Programm des Ostkongresses selbst bietet neben Austausch auch Debatten über Themen wie Energie oder Identität, Fortbildungen zum Umgang mit Hass im Netz sowie verschiedene Wahlkampf-Trainings. Hier wird etwa Haustürwahlkampf geübt, es geht um die Frage Duzen oder Siezen, um einen sicheren Auftritt. „Kurz, nett, knackig“, soll es sein, so der Trainer. Eine Teilnehmerin erzählt, dass ihr in Brandenburg oft die Tür vor der Nase zugeknallt wurde, ein anderer berichtet vom netten Austausch in Berlin-Neukölln. Hier prallen Welten aufeinander.
„Oh! Wie Osten“
Auf der Hauptbühne erzählt die Spitzenkandidatin für Mecklenburg-Vorpommern, Claudia Müller, dass sie als Kind einmal so viele „Grabower Küßchen“, Schokoküsse aus dem Südwesten Mecklenburgs, gegessen habe, dass sie die Süßigkeit bis heute nicht mehr essen könne, ohne dass ihr sofort schlecht werde. Sziborra-Seidlitz erzählt, dass es für sie lange schwer war, damit umzugehen, dass ihr Großvater Chefredakteur zu DDR-Zeiten war, entsprechend eine DDR-Zeitung gemacht hat.
Es geht hier in Sassnitz auch ums Menschliche, ums einander-kennenlernen, miteinander warm werden. Nicht immer gelingt das. Ein Spiel mit dem Titel „Oh! Wie Osten“, bei dem Parteispitze und die beiden Spitzenkandidatinnen politische Forderungen malen oder mit Legoklötzchen bauen sollen, wirkt wie ein deplatzierter Klamauk. Und auch die ein oder andere Podiumsdiskussion hat ihre Längen und bietet für einige die Einladung zum Monolog.
Während die 44 Jahre alte Müller, die aus dem Realo-Flügel kommt, im Wahlkampf schwerpunktmäßig auf die Themen Klima- und Ostseeschutz und Bezahlbarkeit der Energiewende setzt, bewirbt Sziborra-Seidlitz offensiv noch eine weitere Strategie. „Wir müssen endlich raus aus der Bubble – dorthin gehen, wo wir Grüne sonst nicht sind“, sagt die Parteilinke. Deshalb war sie gemeinsam mit Parteichef Banaszak auf den Campingplätzen unterwegs. Die 48-Jährige will zeigen, dass Grüne nicht so sind, wie AfD oder auch CSU-Chef Markus Söder sie darstellen.
Mit Banaszak hat sie für dieses Projekt den richtigen Wahlkämpfer an ihrer Seite, denn das entspricht seinem Ansatz für die gesamte Partei. Man habe den Menschen gezeigt, dass Grüne auch Auto fahren würden, in den Urlaub fliegen oder mal ’ne Wurst essen, erzählt er über den Ausflug mit dem Camper. „Wir sind einander als Menschen begegnet“, fügt er etwas pathetisch hinzu. Auch mit AfD-Anhängern habe man gesprochen. Über den Sommer soll es noch weitere Aktionen geben.
